Musik

Mehr als nur Metal

Zu den Metal Hammer Awards kommen Fans aus Sport und Show. Und: Metallica selbst

Roten Teppich kann jeder. Als Metallica am Freitagabend bei den Metal Hammer Awards im Kesselhaus auftauchten, war es schwarzer Stoff, der vor dem Eingang lag. Schlagzeuger Lars Ulrich sowie Bassist Robert Trujillo waren stellvertretend für die gesamte, eigentlich vierköpfige Band angereist. Dass Gitarrist Kirk Hammett und Sänger James Hetfield in der Heimat geblieben waren, änderte jedoch nichts an der Aufregung, die am Kesselhaus in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg herrschte, als der Wagen mit den Metallica-Mitgliedern vorfuhr.

Metallica sind seit den 80er-Jahren die weltweit erfolgreichste Metal-Band. Insgesamt haben sie mehr als 100 Millionen Alben verkauft. Neun Mal wurden sie schon mit dem Grammy, dem international bedeutendsten Musikpreis, ausgezeichnet. Und nun auch mit dem „Metal Hammer Award“. Die fünfte Verleihung des vom Musikmagazin „Metal Hammer“ herausgegebenen Preises bedeutete nicht nur den ersten Besuch Metallicas bei einer deutschen Preisverleihung, sondern auch ihre erste Auszeichnung in der Kategorie „Beste Live-Band“.

Schon vor der Preisverleihung wirkten beide gelöst, als sie am schwarzen Teppich mit den Fans ins Gespräch kamen. „Ich habe die Band schon mit Zehntausenden in einem Stadion gesehen – aber so nah kommt man solchen Musikern selten“, sagte die 29-jährige Jenny, die den ganzen Abend an der Absperrung auf Metallica gewartet hatte. Ihr erzählte die Band, wie sehr ihnen die Stadt gefällt: „Ich wünschte, ich hätte heute noch mehr von Berlin sehen können“, sagte Lars Ulrich. „Ich habe es heute nur geschafft, eine Dreiviertelstunde lang joggen zu gehen. Immerhin habe ich da das Brandenburger Tor gesehen und das Holocaust-Mahnmal. Diese Stadt fasziniert mich.“

Neben den Stars der Heavy-Metal-Szene besuchte auch Nicht-Metal-Prominenz die Veranstaltung. Wie Regina Halmich, Ex-Boxweltmeisterin. Ihren Bezug zur Metal-Szene hat sie durch Freundin Doro Pesch, sagte sie. „Doro hat für meinen Abschiedskampf damals einen Song geschrieben.“ Als die Hard-Rockerin später am Abend die Auszeichnung als „Metal Legende“ entgegennahm, hielt Regina Halmich die Laudatio auf ihre Freundin. Wie sie war sie stilecht im schwarzen Leder-Outfit gekleidet. Ex-„Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Tessa Bergmeier lief im Metallica-Shirt über den Laufsteg der etwas anderen Art. Sie schien sich dort wohl zu fühlen, spreizte Zeige- und kleinen Finger in Richtung Publikum.

Das Aufgebot der Nicht-Metal-Prominenz war für Metal-Hammer-Chefredakteur Thorsten Zahn nicht verwunderlich. „Es gibt eben mehr Metal-Fans, als die meisten denken. Unter den Prominenten genau so wie in der restlichen Bevölkerung“, sagte der 41-Jährige, der die Veranstaltung eröffnet hatte. Zwischen den Verleihungen der insgesamt zehn Awards, deren Gewinner von der Redaktion, Fans und einer Jury ausgewählt wurden, gab es viel Musik zu hören, wie von der deutschen Band Powerwolf. Diese hatte kürzlich ihr Album „Preachers Of The Night“ veröffentlicht und waren damit auf dem ersten Platz der Albumcharts gelandet. Die Gitarristen waren wie Werwölfe geschminkt, Sänger Attila Dorn wie Dracula. Den Fans gefiel es. Passte es doch zum schwarzen Teppich.