MITTEndrin

Seehofers Wiesn-Problem

Florian Kain über politisches Leben abseits der Gremien

Dass die Thüringer beim Sommerfest in ihrer Berliner Dependance an der Mohrenstraße akutes Pech mit dem Wetter haben, ist seit Jahren nichts Neues. Auch am Montag stapfte die Gastgeberin, Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), wieder unter einer Wolkendecke mit gelegentlichen Nieselschauern über das Festgelände.

Rund 2000 Gäste, darunter auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und der scheidende Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), freuten sich dennoch an den original Rostbratwürstchen und Bieren aus der Region.

Bei den Thüringern geht es traditionell immer ziemlich bodenständig zu, Austern und rosa Sekt wie bei den Hamburgern oder erlesene Weine wie auf den Landesfesten von Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz hat man hier nicht im Programm. Frei nach dem Motto: Ein Brötchen mit Grillgut tut’s ebenfalls – was ja auch wahr ist!

Jedenfalls wurde mit dem Stelldichein an der Mohrenstraße die Fetensaison der Landesvertretungen beendet. Denn: Die Bayern stellen sich in diesem Jahr quer und lassen ihr begehrtes Oktoberfest ausfallen. Früher war das der Renner überhaupt: Das ganze Regierungsviertel probierte dann immer, eines der begehrten Tickets für das Festzelt auf dem Alexanderplatz zu ergattern, in dem die Bayern für einen Abend die Regie übernehmen und Backhendl und Bier spendieren. Umso größer die Enttäuschung, dass sich das Hauptstadtpublikum dieses Mal mit einem Maibockfest in der Vertretung begnügen musste.

Tatsächlich waren ja die Bilder, die man mit dem Berliner Wiesn-Spezial produzierte, rein PR-technisch unschlagbar – allein schon Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) im Dirndl war die Sache eigentlich wert. Doch in diesem Jahr fällt die Oktoberfesteröffnung in München ausgerechnet auf das Bundestagswahlwochenende. Keine Frage, dass die Anwesenheit des politischen Spitzenpersonals, insbesondere des Ministerpräsidenten, da zwingend erforderlich ist. Hätte Horst Seehofer es gewagt, deshalb einfach schon Wochen früher in Berlin „O’zapft is“ auszurufen, dann müsste er sich am kommenden Sonntag bei der Landtagswahl vor der Rache der Wähler fürchten. So kann er ruhig schlafen.