Filmpremiere

Ein Inder und Gentleman

Moritz Bleibtreu über „Vijay und ich“, die Freude an der Verkleidung und Liebe beim zweiten Versuch

Ein Turban kann durchaus sexy sein. Den Beweis dafür liefert Moritz Bleibtreu in der Komödie „Vijay und ich – Meine Frau geht fremd mit mir“, die am heutigen Donnerstag im Kino International an der Karl-Marx-Allee Premiere feiert. Durchgesetzt hat sich der orientalische Kopfschmuck im Kleiderschrank des Schauspielers aber offenbar nicht.

Zum Interview trägt der 42-Jährige Jeans und T-Shirt. Während den Kinobesuchern die indische Version des gebürtigen Münchners noch bevorsteht, hat er selbst seine Figur also schon längst wieder hinter sich gelassen. Denn anders als dem erfolglosen Schauspieler Will, der an seinem 40. Geburtstag durch eine Verwechslung für tot gehalten wird und der mit einer neuen Identität und jeder Menge Bollywood-Charme das Herz seiner Frau zurückgewinnt, ist Moritz Bleibtreu der Wunsch nach einem anderen Leben vollkommen fremd.

„Ich kann Gott sei Dank sagen, dass ich mit mir und meinem Leben total im Reinen bin“, sagt der Schauspieler. „Durch meinen Job habe ich das Glück, gleich mehrmals im Jahr jemand anderes zu sein. Das mache ich dann ein paar Monate und kann danach mit der Figur abschließen. Die werden konserviert und werden nie älter. Das bleibt mir dann im echten Leben überlassen.“

Den Spaß an der Verkleidung genießt Moritz Bleibtreu in dieser Zeit aber um so mehr. Vor allem, wenn es ihm ein überzeichnetes Kostüm erlaubt, vollkommen in seine Figur einzutauchen. In diesem Fall schlüpfte er erst in ein grünes Hasenkostüm und dann in die Rolle des indischen Bankers Vijay – angeklebter Bart, Perücke, dunkle Schminke und Turban inklusive. „Ich bin ein sehr spielfreudiger Mensch“, sagt er über sich selbst. Und: „Kleider machen Leute. Schon wenn man sich einen Anzug anzieht und eine Krawatte umbindet, kriegt man automatisch einen anderen Gang, ein anderes Auftreten.“

Ein anderes Auftreten hat Moritz Bleibtreu im neuen Film von Regisseur Sam Garbarski auch durch seine Sprache. Gedreht wurde in New York auf Englisch. Für den Hauptdarsteller eigentlich keine große Sache. „Ich habe meine Schauspielausbildung in den USA gemacht und auch dort gelebt“, sagt er. „Deshalb ist es zwar immer etwas Besonderes, auf Englisch zu drehen, aber es fällt mir sehr viel leichter als zum Beispiel auf Französisch.“ Eine Herausforderung sei hingegen der indische Akzent seines Charakters in der deutschen Synchronisation gewesen: „Wenn man in Amerika unterwegs ist, ist dieser Akzent sehr präsent, in Deutschland gibt es hingegen wenige phonetische Vorbilder.“

Trotz aller Maskerade ist „Vijay und ich“ am Ende eine überraschend bedächtige Angelegenheit geworden. „Der Film ist eine Verkleidungskomödie in der Tradition des alten Hollywood. Ein Film, wie es ihn heute eigentlich kaum noch gibt“, sagt Moritz Bleibtreu. „Die Zuschauer müssen sich auf die Verwandelung einlassen und glauben wollen, dass die Frau ihren Ehemann wirklich nicht erkennt. Wer das nicht kann, für den ist es wohl nicht der richtige Film.“

Bevor er sich verabschiedet, fällt ihm dann doch noch eine Gemeinsamkeit mit seiner Rolle ein. Auch er habe sich schon einmal zum zweiten Mal in dieselbe Frau verliebt. Die Geschichte dazu behält er dann aber doch lieber für sich.