Lebensgeschichte

„Mein Leben war eine echt harte Nummer“

Das Musical „Ich, Gunter Gabriel“ startet heute Abend in Berlin. Die Bilanz des Sängers

Er humpelt noch ein wenig. Vor ein paar Wochen ist Gunter Gabriel gestürzt, auf seinem Hausboot. Er sieht kaputt aus, sein Gesicht ist von weiteren Falten durchzogen. Seine Stimme jedoch klingt bekannt, tief und verraucht. Gunter Gabriel hat in seinen 71 Lebensjahren nur wenig ausgelassen. Ein Teil davon ist ab sofort im Theater am Kurfürstendamm in dem Stück „Ich, Gunter Gabriel. Mein Leben mit Musik“ zu sehen. Der Sänger erzählt darin seine eigene Geschichte. Wie er im Alter von 14 Jahren vom Vater auf die Straße gesetzt worden ist, Nebenjobs als Tankwart und Möbelpacker angenommen hat, schließlich die große Karriere gemacht und den großen Absturz erfahren hat. Alkohol, Drogen, vier Ehen, unzählige Affären.

„Ich muss sagen, mein Leben war eine echt harte Nummer. Ich bin daran nicht kaputtgegangen, aber ich bin ein Ersatzteillager geworden. Im bürgerlichen Sinne bin ich gescheitert“, sagt Gunter Gabriel. Gerettet habe ihn die Musik: „Meine Gitarre hat mir auch in der bittersten Zeit immer geholfen. Wenn ich auf die Songs zurückblicke, die ich geschrieben habe, denke ich: ‚War ja doch nicht so schlecht, was ich gemacht habe.‘“

Die Idee, das Leben des gebürtigen Bündeners auf die Bühne zu bringen, hat Regisseur Volker Kühn gehabt, mit dem Gunter Gabriel schon bei dem Bühnenstück „Hello, I’m Johnny Cash“ zusammengearbeitet hat. „Er sagte: ‚Dein Leben ist doch noch viel beschissener als das von Johnny Cash‘“, so Gabriel.

Eine zentrale Rolle in der Karriere von Gunter Gabriel spielt Berlin. 1971 ist er in den Westteil gekommen, hat bei Hansa Records als Songschreiber und als DJ in der Diskothek „Dachluke“ gearbeitet, bevor er seinen ersten Song, „Freiheit ist ein Abenteuer“, aufgenommen hat und damit bekannt geworden ist. „Ich kam aus der Dunkelheit des Lebens, und plötzlich war ich in der Hitparade. Immer wenn ich irgendwo aufgetaucht bin, war ich umringt von Menschen. Ich habe mich plötzlich geliebt gefühlt“, sagt Gunter Gabriel. „Sogar von der Polizei. Ich bin mit meiner Harley Davidson ins KaDeWe gefahren, und die haben noch applaudiert. Ich habe einen Perserteppich im Hotel ‚Schweizerhof‘ geklaut, da haben sie mich auf dem Tauentzien aufgefischt. Das war Übermut und Glücklichsein.”

Dieses Leben ist nicht ohne Folgen geblieben. Mitte der 80er-Jahre ist Gunter Gabriel pleite und verschuldet. Es folgen Alkoholabstürze, Negativschlagzeilen und zehn Jahre in einem Wohnmobil. Im Rückblick sei es die beste Zeit seines Lebens gewesen, sagt er. „Ich lebte damals einfach nur von einer Tankfüllung zu nächsten. Ich bin im Nachhinein froh, dass ich so auf die Schnauze gefallen bin.”

Mittlerweile ist Gunter Gabriel ruhiger geworden. Mit seinen Ex-Frauen hat er sich ausgesöhnt, dem Alkohol hat er abgeschworen. „Mit 30 brauchte ich eine Harley, um mich zu definieren. Heute konzentriere ich mich auf das Wesentliche”, sagt er. Das Wesentliche ist für ihn heute die Möglichkeit, seiner Tochter, die in London lebt, Ratschläge zu geben. Und auf seinem Hausboot eine Heimat gefunden zu haben. Diese verlagert Gunter Gabriel Ende September zurück nach Berlin.

Er ist auf der Suche nach einem Anlegeplatz für sein Zuhause. „Am liebsten würde ich an den Spandauer Hafen, nach Krumme Lanke oder nach Leest“, sagt er. „In der ersten Nacht werde ich aber auf jeden Fall im Garten von Günther Jauch ankern.“