Stilfrage

Spaß mit Schwarz

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Neulich war ich mit einer Freundin am frühen Abend auf der Torstraße unterwegs, als wir an einer Gruppe von jungen Menschen vorbeikamen. Sie wisperte mir ins Ohr: „Da ist aber jemand früh gestorben, die kommen anscheinend alle von einer Beerdigung.“ Nein, es war keine Beerdigung, niemand starb. Es war lediglich die Eröffnung einer neuen Ausstellung. Die Bilder waren bunt, die Menschen davor schwarz gekleidet. Man hat in Mitte mittlerweile fast das Gefühl, der Sommer verabschiedet sich leise aus der Stadt. Und mit ihm scheinen auch die Neonfarben einen sanften Tod zu sterben. Die Avantgarde trägt wieder Schwarz. Und zwar von Kopf bis Fuß. In modisch versierten Kreisen werden sie bereits die „Black Victims“, die Opfer der Farbe Schwarz, genannt. Dabei müssen die Kleidungsstücke nicht nur dunkel, sondern auch möglichst androgyn, oversized und/oder skulptural aussehen. Wir reden hier also nicht vom „kleinen Schwarzen“, das Audrey Hepburn einst so berühmt machte. Kombiniert wird der Look mit einer Prise Heavy Metal, Leder und den fast unverzichtbaren Doc-Martens-Stiefeln an den Füßen. Aber denken Sie jetzt bitte nicht in Richtung Alice Cooper. Es geht eher in Richtung eines härteren Nick-Cave-Stils. Bevorzugte Designer sind dabei Gareth Pugh , Yohji Yamamoto, Ann Demeulemeester oder Comme des Garçons. Am liebsten natürlich Vintage. Modedesigner Yves Saint Laurent wird das Zitat zugeschrieben: „Schwarz ist die einzige Farbe, die Kunst und Mode verbindet.“

Mein Rat also für die nächste Vernissage: Tragen Sie Schwarz. Und haben Sie dabei trotzdem jede Menge Spaß.