Mode

Mut zum Hut

Brad Pitt und Katie Holmes tragen sie längst: Hüte aus Berlin. Der Trend aus der Hauptstadt

Herzogin Kate von Camebridge hat ihn populär gemacht: den Fascinator. Bei zahlreichen Anlässen trug sie ausgefallene, farbenfrohe Modelle. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sie auch zur Taufe ihres Sohnes George Alexander Louis einen tragen. Der festliche Kopfschmuck aus Spitze, mit Federn, Perlen, Schleier oder Blumen wird jedoch nicht nur in England, sondern vor allem in Berlin von vielen Frauen getragen.

Die Nachfrage steigt und ist besonders in den Sommermonaten hoch, wie Helena Ahonen sagt. „Gerade zu Anlässen wie Hochzeiten, Taufen oder besonderen Festen sind Fascinator sehr gefragt.“ Die aus Schweden stammende Hutdesignerin fertigt in ihrem Atelier an der Fehrbelliner Straße kunstvolle Kappen, Mützen, Hüte und Fascinator an. „Wichtig ist vor allem, dass der Kopfschmuck zur Persönlichkeit passt“, sagt Helena Ahonen. „Dazu gehört nicht nur die Form, sondern auch Farbe und Größe. Manche Menschen sind eher zurückhaltend, dann darf es kein zu außergewöhnliches Modell sein. Andere sind sehr selbstbewusst und wollen auffallen – das alles spielt bei der Auswahl eine große Rolle.“

Helena Ahonen probiert gern verschiedene Variationen aus. „Manche bringen auch ihren eigenen Stoff mit oder ihr Kleid, zu dem der Hut oder der Fascinator passen soll.“ Ihre Kopfbedeckungen sind kleine Kunstwerke, die sie in vielen Stunden intensiver Handarbeit anfertigt. „Ich muss einen Hut pro Tag machen, um davon leben zu können“, sagt die Designerin, die seit 1997 in Berlin lebt. Ihr erstes Geschäft eröffnete sie 2002 in Friedrichshain. Seit 2006 verkauft sie ihre Modelle in Mitte.

„Zu meinen Kunden gehören viele Schauspieler, Musiker und Künstler. Auch Janet Jackson war schon hier bei mir im Atelier. Sie hatte selber recherchiert und kam dann vorbei – niemand hatte ihr den Tipp gegeben. Das war schon toll.“

Ihr Handwerk hat sich Helena Ahonen zu einem großen Teil selbst beigebracht. „Ich habe keine klassische Ausbildung zur Hutmacherin gemacht, wie das in Deutschland üblich ist. Ich war in Schweden einige Jahre als Kostümbildnerin am Theater tätig und habe dort viel gelernt.“

In Berlin hat sie eine Zeit lang für Fiona Bennett, die wohl bekannteste Hutmacherin der Stadt, gearbeitet. Die gebürtige Britin Bennett lebt seit 25 Jahren in Berlin und hat der Hauptstadt den Hut aufgesetzt. Sie stattete bereits zahlreiche bekannte Persönlichkeiten mit ihren kreativen Kopfbedeckungen aus. Auch Hollywood-Schauspieler wie Brad Pitt und Katie Holmes trugen schon Hüte von ihr. In ihrem im März erschienenen Buch „Vom Locken der Federn“ erzählt sie von ihrer Arbeit.

Dass es inzwischen mehrere junge Hutmacherinnen in Berlin gibt, sieht Fiona Bennett entspannt. „Ich war nie jemand, der sein Wissen geheim halten wollte. Ich habe das immer gestreut und sehr viele Leute ausgebildet. Ich freue mich, dass der Beruf und das Handwerk einen neuen Schub erhalten hat“, sagt sie. „Wir arbeiten jede an unseren Themen und haben unseren eigenen Stil. Ich sehe das nicht als Konkurrenz.“

Für den Sommer rät Fiona Bennett zum Strohhut. „Es gibt wunderschöne Farben, die für Panama-Hüte sehr ungewöhnlich sind, meist trägt man sie ja in Naturfarben. Dieses Mal haben wir sie in auch in Lachs, Lila, Gelb, Grün und Blau gut verkauft. Zudem gibt es karierte Modelle – das ist auch mal etwas anderes.“ Die Berliner haben ihrer Meinung nach in den letzten Jahren mehr Mut zum Hut entwickelt. „Man sieht mehr Leute mit Hüten im Stadtbild, das freut mich sehr.“ Auch Fascinator bleiben ihrer Meinung nach im Trend. Ein Highlight, dass sich momentan in ihrem Laden an der Potsdamer Straße bewundern lässt, ist ein Exemplar mit einem Vogel. Wie auch Herzogin Kate ihn schon getragen hat. „Kate ist natürlich eine Stilikone, sie hat dem Fascinator neuen Pepp gegeben“, sagt Fiona Bennett. „Es ist schön, dass auch die jungen Royals ihn tragen.“