Unternehmen

Die Alleskönnerin

Nadja Atwal hat als Unternehmerin in den Vereinigten Staaten Karriere gemacht. Jetzt bringt sie ihre Modekollektion nach Berlin

Mit 23 Jahren packte Nadja Atwal im schleswig-holsteinischen Preetz ihre Koffer und machte sich auf nach Amerika, um in Hollywood das Showbusiness zu erobern. Sie hatte ihr Psychologiestudium abgebrochen, einen Titel bei einem Schönheitswettbewerb und den unerschütterlichen Glauben, dass sich mit Fleiß, Ehrgeiz und ein bisschen Glück schon alles Weitere fügen würde.

Zehn Jahre später leitet die heute 33-Jährige in New York ihr eigenes PR-Unternehmen mit Zweigstellen in London und Sydney, arbeitet als Filmproduzentin mit Hollywoodstars wie Mel Gibson und Christian Slater zusammen und ist im US-Fernsehen als Stil- und Modeexpertin gefragt. Seit Anfang des Jahres verdingt sich die Alleskönnerin außerdem als Designerin. Für das Modelabel Drezz2Imprezz hat sie eine eigene Kollektion entworfen, die sie am heutigen Sonntag beim Derby-Finale auf der Trabrennbahn Mariendorf präsentieren will. Die 40er-Jahre-inspirierte Mode von Nadja Atwal und Labelchefin Cindy Morawetz kann bereits mit zahlreichen prominenten Fans aufwarten. Darunter „Desperate Housewives“-Star Eva Longoria, Model Franziska Knuppe, Moderatorin Verena Wriedt und Schauspielerin Alexandra Kamp, die den Kontakt zwischen den beiden Selfmade-Frauen hergestellt hat. Beide verbindet die Leidenschaft für die USA, ein Gespür für stilvolle Eleganz und das Unternehmerinnen-Gen, das sie jeweils von ihren Vätern geerbt haben.

Die femininen Entwürfe in knalligen Farben wurden von Rennbahnchef Andreas Haase unter 100 Labels für die Derby-Modenschau ausgewählt und werden vor Ort nicht nur die Models, sondern auch zahlreiche prominente Damen schmücken. Ziemlich erfolgsverwöhnt, könnte man meinen. Doch Nadja Atwal wurde in ihrer Karriere nichts geschenkt. Zunächst noch ohne eigene Firma fing die Deutsche in Los Angeles an, Fotostrecken mit Stars wie Jennifer Lopez und Halle Berry aus eigener Tasche zu produzieren, um diese dann an Magazine zu verkaufen. Die Risikobereitschaft zahlte sich aus. Aus einzelnen PR-Kunden wurde eine eigene Agentur, Klienten aus der Schauspielbranche inspirierten sie dazu, ihr Glück beim Film zu versuchen, und Nähkurse aus dem Teenageralter kommen ihr heute bei den Entwürfen für Drezz2Imprezz zugute. „Ich habe überlebt, weil ich flexibel war. Ich habe auch Sachen gemacht, die nicht erfolgreich waren. Aber man muss eben alles ausprobieren“, sagt die Geschäftsfrau, die nebenbei auch noch Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes ist. „Man braucht einen langen Atem, und es hilft, wenn man kommunikativ, freundlich und hilfsbereit ist.“

Auch für die Zukunft hat Nadja Atwal große Pläne. „Ich würde gerne in die Politik gehen, habe aber keine Lust, in der Kommune darüber zu debattieren, welche Farbe die Mülleimer haben sollen. Entweder ich steige oben ein oder nicht“, sagt sie. Zusammen mit Cindy Morawetz will sie außerdem in Coaching-Kursen ihre Erfahrung mit anderen Frauen teilen. „Das Schönste am Erfolg ist es, ihn weiterzugeben. Das ist auch meine Aufgabe als Managerin: Ich mache die Träume anderer Leute wahr.“ Deshalb schreibt sie auch gerade ein Ratgeberbuch und steht ab Herbst für eine RTL-Reality-Show über ihr bewegtes Berufsleben vor der Kamera. Bis Nadja Atwal in Deutschland genau so bekannt ist wie in ihrer Wahlheimat, dürfte es also nur noch eine Frage der Zeit sein. Pläne für einen Zwischenstation an der Spree hat sie bereits geschmiedet. „Ich sage oft zu meinem Mann, er soll nach einem Job in Berlin suchen“, sagt sie. „Ich würde hier gerne ein paar Jahre leben.“ Aber natürlich nur, bis sie der Tatendrang und das Reisefieber wieder packt.