Prominente

Miley, nicht Hannah

Sängerin Miley Cyrus präsentiert in Berlin neue Musik und ein neues Image

Miley Cyrus will nicht mehr „Hannah Montana“ sein. Sie will der ganzen Welt beweisen, dass sie mit ihren 20 Jahren Lebenserfahrung endlich eine ernst zu nehmende Sängerin ist, eine erwachsene Künstlerin, eine geheimnisvolle Femme fatale.

Dafür hat sie in den vergangenen drei Jahren einigen Aufwand betrieben: Vor laufender Kamera eine Wasserpfeife geraucht, sich des Babyspecks entledigt, die Haare abgeschnitten und sich mit On/off-Lover Liam Hemsworth verlobt. Um auch letzte Zweifler zu überzeugen, die in ihr noch immer das elfjährige Mädchen sehen wollen, das 2006 mit der Disney-Serie über Nacht zum Superstar wurde, hat Miley Cyrus zuletzt ein Musikvideo gedreht, in dem sie sich lasziv auf dem Bett rekelt – und im Text mit Drogenassoziationen spielt.

Die Promotiontour zur Single „We Can’t Stop“ mit dazugehörigem, im Herbst erscheinenden Album hat die US-Sängerin und -Schauspielerin jetzt nach Berlin geführt. „Um Auskunft über ihre musikalische Neuausrichtung zu geben“, wie es von der Plattenfirma hieß. In Berlin landete sie nach einem Stopp im hessischen Bad Vilbel am Montagabend mit einem Privatjet und bezog eine Suite im Hotel „Adlon“ mit Blick auf das Brandenburger Tor. Am Dienstag galt es dann, einen eng getakteten Terminplan einzuhalten. Ein Auftritt beim Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ – ausgestrahlt am heutigen Mittwoch – und Besuche bei mehreren Radiostationen nutzte Miley Cyrus, um ihrem neuen Image noch einmal Nachdruck zu verleihen.

Trotz Hitze trug sie ein hautenges schwarzes Lederkleid und lobte die Vorzüge der deutschen Freizügigkeit. „Vielleicht braucht ihr hier sogar eine noch sexiere Version des Videos. Vielleicht ist es zu konservativ für Deutschland?“, kommentierte sie im Interview mit Energy Berlin die Zensur ihres Clips in den USA und Großbritannien. Trotz aller verruchten Anspielungen wollte Miley Cyrus ihre Fans der ersten Stunde dann aber doch nicht komplett verprellen. Bevor sie von Security flankiert im Gebäude des Radiosenders verschwand, nahm sie sich noch einige Minuten Zeit für die wartenden Teenager, hauchte ein „Nice to meet you“ in deren Richtung, schüttelte zitternde Mädchenhände und posierte für Erinnerungsfotos.

Das kurze Intermezzo verfehlte seine Wirkung nicht. Einige der Anhänger hatten bereits seit dem Morgen ausgeharrt und verfielen angesichts der surrealen Begegnung in ein entrücktes Schluchzen.

Ob sie dem berüchtigten Berliner Nachtleben in den kommenden Tagen einen Besuch abstatten werde, um dort, wie zuletzt in London erlebt, ihren selbst kreierten Ruf zu feiern, verriet Miley Cyrus zunächst noch nicht. Wenigstens für den Moment wolle sie es ein wenig ruhiger angehen lassen. „Heute gehe ich nicht Party machen, denn ich muss morgen zu früh raus“, lautete am Dienstagnachmittag ihre überraschend brave Entschuldigung.