Beförderung

Waldorf-Astoria-Chef wird Direktor in Frankfurt

Friedrich Niemann verlässt Berlin nur sechs Monate nach der Hotel-Eröffnung

Ein kleines Bed & Breakfast könne er sich vorstellen, sagte Friedrich Niemann am Dienstag vergangener Woche. In Brandenburg, die Gegend um Berlin sei so schön, voller Wasserwege. Wie er das managen wolle, als Direktor eines Fünf-Sterne-Hotels in Berlin? „Nebenbei“, antwortete Friedrich Niemann, man müsse jemanden einsetzen, der sich vor Ort darum kümmere.

Das muss Friedrich Niemann nun nicht mehr. Die Gerüchte, die in Hotelkreisen bereits Mittwoch kursierten, bestätigte die Sprecherin des Direktors des „Waldorf Astoria Berlin“ der Berliner Morgenpost am Sonnabend. „Er wird die Position innerhalb des Unternehmens wechseln“, sagte Anja Langensiepen. Innerhalb der Hilton Worldwide Unternehmensgruppe, zu der es gehört. Weitere Informationen könne sie noch nicht bekannt geben. Auf Nachfrage bei Hilton in London hieß es: „Herr Niemann verlässt das Waldorf Astoria Berlin, um Direktor des Hilton Frankfurt zu werden, eines der umsatzstärksten Häuser der Hilton-Gruppe in Deutschland.“

Die Spekulationen seien falsch, dass die Schwierigkeiten des Hauses, die es schon vor der Eröffnung im Januar 2013 und in den sechs Monaten seitdem gegeben hat, zu seiner Ablösung geführt haben. „In der Hotelbranche ist ein Wechsel des Direktors nach drei bis vier Jahren ganz normal“, hieß es. „Ich bin erstaunt, dass man nur sechs Monate nach der Eröffnung schon wieder geht“, sagte dagegen Michael Frenzel, Direktor des Hotel Palace Berlin in direkter Nachbarschaft, zu dem Wechsel. Niemann wird Berlin im Spätsommer verlassen, der neue Direktor soll kommende Woche vorgestellt werden.

Der 50-jährige Niemann war seit September 2010 General Manager des Waldorf Astoria Berlin. Zuvor leitete er das „Athenee Palace Hilton Bucharest“, das „Kempinski Hotel Fürstenhof“ in Leipzig und das „Hilton Munich City“. Das Waldorf Astoria sollte er auf die Eröffnung im Januar 2012 vorbereiten – aufgrund von Bauverzögerungen und regelmäßig spontanen Änderungswünschendes Investors hatte sich diese jedoch um ein Jahr verschoben. Als das Haus mit 232 Zimmern und Suiten, 1000 Quadratmeter-Spa-Bereich und der höchst gelegenen Präsidentensuite der Stadt am 3. Januar dieses Jahres schließlich eröffnete, musste sich Niemann gegen 30 Konkurrenten in Berlins Fünf-Sterne-Kategorie beweisen.

Von 20 Prozent Durchschnittsbelegung war in Hotelkreisen zuletzt die Rede. „Das stimmt nicht“, sagte Friedrich Niemann am Dienstag. „Wir sprechen nicht über Zahlen, aber da liegen wir deutlich drüber.“ Am Ende des Jahres strebe man knapp 50 Prozent Belegung an – das sei für ein Eröffnungsjahr gut. 70 Prozent sind für Berlin die üblich gute Durchschnittszahl. „Die Entwicklung des Hauses schreitet voran“, sagte Niemann dazu. Der Juni sei mit Fashion Week und Delegationsbesuchen ein „fantastischer Monat“ gewesen. Worüber Niemann ungern spricht, ist die auf RTL im Juni ausgestrahlte Reportage „Team Wallraff deckt auf“. Darin wurde über Ausbeutung von Zimmermädchen, unter anderen im Waldorf Astoria Berlin, berichtet. Es seien Missstände, die in mehreren Hotels aufgedeckt worden seien, die vor dem Hintergrund des Waldorf gezeigt worden seien, bemängelte Niemann. Außerdem sei der Einsatz eines Dienstleistungsunternehmens für Reinigungskräfte ganz normal. Die betroffene Firma, die GRG Services Hotel GmbH, gab eine Erklärung ab: „Zu dem Zeitpunkt, an dem die Reporterin bei uns gearbeitet hat, war das Waldorf seit eineinhalb Monaten eröffnet. Innerhalb der ersten Monate nach einer Hotel-Eröffnung ist noch keine Routine in den täglichen Arbeitsabläufen gewährleistet.“ Trotzdem: „Das ist eine Baustelle, die man nicht braucht“, sagte Friedrich Niemann. Ab sofort ist er bis 4. August im Urlaub. In der Schweiz, in den Bergen. Er begrüße den Umzug nach Frankfurt, sagte Niemann am Sonnabend. Hier sei er näher an der Heimat Siegen – näher bei seiner 91-jährigen Mutter.