MITTEndrin

Das Bangen nach Bayreuth

Florian Kain über politisches Leben abseits der Gremien

Bei Merkels wird gepackt – schließlich wollen die beiden am Donnerstag in Bayreuth im „Fliegenden Holländer“ sitzen. Der politische Ansturm auf die Festspiele ist in diesem Sommer wieder groß. Neben Bundespräsident Joachim Gauck haben sich etliche Kabinettsmitglieder angesagt. Sogar Familienministerin Kristina Schröder möchte sich Wagner anhören. In diesem besonderen Jahr (der Meister wäre 200 Jahre alt geworden) lässt sich so auch gleichzeitig Wahlkampf betreiben. Für Angela Merkel und ihren Mann Joachim Sauer ist der Bayreuth-Besuch hingegen traditioneller Urlaubsauftakt. Auf dem Weg in den Süden biegen sie stets zum Grünen Hügel ab.

Das Eröffnungsprogramm, den „Fliegenden Holländer“ von Jan Philipp Gloger, kennen sie schon. Man kann aber davon ausgehen, dass sich die beiden in den Tagen darauf den Jubiläums-„Ring“ von Volksbühnen-Intendant Frank Castorf ansehen werden. Wann genau sie Bayreuth verlassen werden, darum macht man im Kanzleramt ein kleines Geheimnis – der Urlaub der Regierungschefin soll Privatsache bleiben. An Ostern auf Ischia gelang das nicht – da wurde sie beim Wandern mit der Familie von Paparazzi verfolgt. Am ersten Abend in Bayreuth dürfte es so laufen: In den Pausen wird sich Joachim Sauer nonchalant mit Tablett in der „Kantine“ anstellen und Weißwein und Häppchen besorgen. Und da wird sicher der eine oder andere Festspielgast sein Handy zücken, um ein Foto zu machen. Aber das sind die Kanzlerin und der Professor gewöhnt. Wenn sie danach jedoch in Südtirol unterwegs sind, dürften beide Wert darauf legen, dass sich die Ostererfahrung nicht wiederholt.