Kulinarisches

Geheimtipps aus dem Burgenland

Ein Kochbuchautor aus Schwechat hat einen Gastro-Führer über Berlin geschrieben

Objektivität ist alles. Bei Crémant im Glas und Schnecken auf dem Teller sitzt Gerd Wolfgang Sievers bei Michel Le Voguer an der Adalbertstraße. Einem seiner Lieblinge, wie er sagt. „Eine Bastion europäischer Esskultur mitten in Kreuzberg.“ „Ich koche hier nur ganz einfach, ganz klassisch“, sagt Michel Le Voguer – und reicht dem Gast Baguette im Bast.

Gerd Wolfgang Sievers ist Kochbuchautor. Zwei Mal hat der 51-Jährige den Gourmand World Cookbook Award gewonnen. Aktuell ist von ihm „Berlin für Genießer – Das kulinarische Porträt“ erschienen. Ein Erkundungstrip mit Insidertipps, wie es auf dem Cover lautet. Insidertipps? Von einem in Münster geborenen Halb-Österreicher, der im Burgenland lebt?

Rund 600 Restaurants hat er getestet. „Hier ist einfach alles anders“, sagt der Autor. Die Vielfalt des Angebots, das Klientel. Ein Besuch im Sternerestaurant sei in Berlin auch ohne Krawatte möglich. 230 Tipps finden sich im Buch wieder, von „Curry 36“ bis zum „Vau“ von Kolja Kleeberg. Nur in höchstens fünf der getesteten Restaurants sei er übrigens eingeladen worden, betont Sievers. „Manchmal lässt sich das nicht vermeiden.“ Aber keines der Lokale habe für eine Erwähnung gezahlt. Ja, Objektivität sei eben alles, sagt Gerd Wolfgang Sievers. Und ein Buch über Berlin als Nicht-Berliner zu schreiben? Sei besser, sagt er. „Weil man nicht betriebsblind ist.“

Sidik Usta macht den besten Kebab außerhalb der Türkei“, sagt Sievers zum „Adana-Grillhaus“. „Hier hat der Begriff Handwerk noch Bedeutung, alles ist handgemacht. Und frisch!“, schrieb auch Wolfram Siebeck.

2007 trafen sich hier Angelina Jolie und Brad Pitt mit den Graft-Architekten zu Essen und Häuserplanung für das Paar in Berlin. Aus „Brangelina“ in der Hauptstadt ist nichts geworden – dafür das „Bandol sur Mer“ kurz berühmt. Sievers schätzt es nach wie vor: „Zwei Punks, die in kleiner Ex-Dönerbude auf Gourmetniveau kochen“, das sei typisch Berlin.

Auf einem Beef-Trolley wird das US-Prime-Rib im „Wilson’s Restaurant“ dampfend an den Tisch gefahren. „Eine der besten Fleisch-Qualitäten, die es in Berlin gibt“, sagt Sievers zum mageren Kern aus der Hochrippe an der Nürnberger Straße.