Zwischenmenschlich

Hip-Hipster-Hurra

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

Vor einiger Zeit machte auf Facebook ein Spruch die Runde, den auch einige meiner „Freunde“ gepostet haben. „Ich habe einem Hipster gegens Bein getreten. Jetzt Hopster.“ Von denjenigen, die darüber am lautesten digital gelacht haben, trägt jeder Zweite eine Nerdbrille. Die meisten haben wohl auch Jutebeutel und Digitalarmbanduhr.

Mein realer Bekanntenkreis besteht fast zur Hälfte aus Personen, die so aussehen wie das, was sie selbst einen „Hipster“ nennen. Da gibt es überdimensionierte Strickwollpullis, Scheitel über abrasierten Seitenhaarpartien, eierschalfarbene Rennräder mit neongrünen Speichen. Man hört die Shins und Vampire Weekend – so sagt man jedenfalls. In Wahrheit hören sie alle Daft Punk, würden das aber nie zugeben, weil das eben alle hören. Und sich selbst als Hipster bezeichnen, das würde natürlich auch keiner. Lieber postet man noch ein paar Sprüche: „Warum hassen Hipster Flüsse? Sind ihnen zu Mainstream.“ „Wie viel wiegt ein Hipster? Ein Instagram.“ „Warum wechselt der Hipster die Straßenseite? Um zum anderen Starbucks zu gelangen.“

Aber warum eigentlich? Hipster zu bashen ist mittlerweile doch ebenso langweilig wie abzustreiten, dass man dazugehört. DIE Party ist nun wirklich vorbei. So ein Hipster wird schließlich auch mal erwachsen – also zum Schlipster. Und die, die jetzt durch die Straßen von Mitte laufen, sind in Wahrheit ja auch gar keine Hipster, sondern nur Retro-Versionen von denen, die mal welche waren. Obwohl, das ist dann ja schon wieder cool. Wahrscheinlich wissen das auch meine Facebook-Freunde. Würde aber keiner von ihnen zugeben.