Mittenndrin

Thierse im Schwabenland

Florian Kain über das Politikerleben abseits der Gremien

Wolfgang Thierse mistet gerade aus: Weil der scheidende Bundestagsvizepräsident seine Räume nach der Wahl am 22. September besenrein übergeben muss, nutzt er die Sommerpause, um mit Büroleiterin Silvia Koch Akten zu sortieren. Nebenher mischt der 69-Jährige im Wahlkampf mit – am Sonntag erwarten ihn die Genossen zum Frühschoppen im Ratskeller Köpenick.

Ende Juli geht es dann mit Ehefrau Irmtraudin den Sommerurlaub. Und zwar: nach Baden-Württemberg. Mal sehen, wie sich die Bäckereien im Hochschwarzwald und am Bodensee für Thierses Ankunft rüsten. Dessen Verteidigung der Berliner Begriffe („Schrippen statt Wecken“) hatte im Ländle ja extrem für Furore gesorgt. Mehrere Bäcker haben da jetzt sogar „Thierse-Schrippen“ im Programm. Sowie Pfannkuchen, die mit dem Marzipankonterfei des SPD-Manns verziert wurden („Thierse-Berliner“). Viel Feind, viel Ehr! Kulinarisch gehen Politiker jedenfalls höchst selten in die Geschichte ein. Der Einzige, dem das bislang auf Dauer gelang, war Bismarck, mit dem Hering. Thierse kann den Schwaben-Streit im Urlaub dann jedenfalls noch mal auf der Bodensee-Insel Reichenau mit seinem alten Freund und Dauer-Gesprächspartner, dem Benediktinerpater Stephan Vorwerk, Revue passieren lassen.

Als Redner ist der streitbare Genosse übrigens auch über den Wahltag hinaus gefragt – Büroleiterin Silvia Koch macht bereits Termine fürs neue Jahr. Sie bleibt an Thierses Seite und wechselt mit ihm in ein neues, kleineres Bundestagsbüro. Darauf hat Wolfgang Thierse als Ex-Präsident und Ex-Vizepräsident zwölf Jahre lang Anspruch.