Kabarett

„Ich bin einfach Berliner“

Murat Topal gastiert mit seiner neuen Show im Wintergarten Varieté

Während der 2011 vergebene Bambi für Integration an Bushido in den vergangenen Wochen wieder einmal heiß diskutiert wurde, empfiehlt sich ein anderer Berliner mit Migrationshintergrund derzeit ganz unaufgeregt als Botschafter für interkulturelles Verständnis. Das Erfolgsrezept von Murat Topal lautet dabei: Humor. In seiner „Culti Multi Show“, die am Donnerstagabend im Wintergarten Varieté Premiere feierte, erzählt der gebürtige Neuköllner Geschichten aus seinem ersten Leben als Polizist in Kreuzberg und nimmt türkische und deutsche Klischees aufs Korn. „Das gemeinsame Lachen kann einfach sehr viel bewirken“, sagt der Comedian.

Aufgewachsen ist Murat Topal zwischen Hermannplatz und Kottbusser Tor, „einem Bereich, den viele als Getto bezeichnen würden“. Dieses Umfeld hat den Sohn eines türkischen Gastarbeiters und einer deutschen Mutter geprägt, auch wenn er manchmal mit seiner Rolle als „lustiger Türke“ hadert. „Eigentlich wäre es erstrebenswert, meine Herkunft nicht stets wieder thematisieren zu müssen“, findet er. „Ich bin einfach Berliner, aber das fällt immer ein wenig hinten weg.“

Vielleicht auch deshalb könnte es von Murat Topal in Zukunft mehr Geschichten aus der deutschen Einfamilienhausidylle geben. Der Kabarettist ist gerade nach Britz gezogen – „das Zehlendorf Neuköllns“, wie er selbst sagt – und hat dort bereits ganz eigene sozialpsychologische Beobachtungen gemacht. „Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Leute darauf reagieren, wenn sich dort plötzlich auch die Türken Häuser bauen. Für viele ist das der Untergang. Vor allem, wenn die Häuser im schlimmsten Fall auch noch größer ausfallen als das eigene“, erklärt er. „Da wird dann gerne der obligatorische Fahnenmast aufgestellt und die Deutschlandfahne gehisst.“ Als vorbildlich um Integration bemühter Mitbürger glaubt er aber fest an die Besserung seiner neuen Nachbarn. „Ich hoffe, dass das in ein paar Jahren einfach keine Rolle mehr spielt und die Leute erkennen, dass sie nur voneinander profitieren können, wenn sie sich aufeinander einlassen.“