Szene

„Clubs sind eine bedrohte Tierart“

Jesko Klatt über die Berliner Szene und seine Visionen im Ausland

Die Kombination aus Babyflasche, dem silbernen Totenkopfring am Finger und der dunklen Sonnenbrille wirkt auf den ersten Blick ein wenig skurril. Doch wenn die Mama keine Zeit hat, dann muss der elf Monate alte Jaden eben mit zum Interview in Papas neuem Laden – dem „Monbijou“ in Mitte. Kein Problem für den erfahrenen Gastronomen Jesko Klatt . Wer erfolgreich drei Läden führt und weiterhin auf Expansionskurs ist, für den scheint auch die Versorgung des Nachwuchses noch in den Zeitplan zu passen. Nur mit der Baby-Tasche müsse er sich noch anfreunden, gibt der 44 Jahre alte Club-Betreiber zu. Aber immerhin beim Kinderwagen habe er teilweise Mitspracherecht gehabt: ein Modell in Mattschwarz.

Was der gebürtige Marburger anfasst, scheint zu gelingen. 2006 eröffnete Klatt das Club-Restaurant „Spindler & Klatt“ an der Köpenicker Straße, im vergangenen Jahr kam das „The Grand“ nahe dem Rosa-Luxemburg-Platz hinzu. Mit dem Immobilienunternehmer Lutz Strangemann eröffnete er zudem vor einigen Wochen das Hotel „Monbijou“ unweit vom Hackeschen Markt. Klatt ist verantwortlich für das Restaurant und die Bar – möchte jedoch nicht nur für Touristen interessant sein, sondern auch für Berliner – und all das zu einem guten Preis. „Du kannst deine Frau einladen zum Essen, guten Wein, mehrere Gänge, halt wirklich gut dinieren, und bezahlst zum Schluss nicht mehr als 70 Euro“, sagt Klatt, der zugibt, „schlichtweg nichts gelernt“ zu haben. „Man muss einfach ein Gefühl dafür haben, wissen, was die Leute wollen.“ In einer Stadt, in der sich in kurzer Zeit radikale Veränderungen vollziehen, müsse man schnell reagieren. „Ich glaube, mittlerweile ist Berlin gastronomisch längst auf Augenhöhe mit London, Paris, vielleicht noch nicht ganz New York“, sagt er. „Es kommen die Touristen mit Rucksack und Regenjacke, aber auch Leute aus der Szene, die gewisse Dinge erwarten, einen hohen Standard eben.“

Dies sei jedoch nicht immer so gewesen, sagt der Gastronom. „Man kann fast sagen, dass in Berlin die Clubs wie eine bedrohte Tierart sind“, sagt Klatt. „Früher konntest du im Hinterhof in irgendeinem Schuppen einen Club aufmachen, und keinen hat es gestört. Sind heute die falschen Nachbarn da, können sie ganz schnell plattgemacht werden.“ Eine Lage wie die des „Spindler & Klatt“ direkt an der Spree oder die des „The Grand“ in Mitte sei unschlagbar, sagt er. Der Trend, in den Berliner Westen zu gehen, wie es viele seiner Kollegen vormachen, ist für ihn noch keine Option. „Es wird dort nicht so schnell gehen wie mit dem Hype, den Mitte in den vergangenen Jahren erlebt hat. Mitte hat sich ganz neu entwickelt, weil der Freiraum da war, der Westen muss sich wieder erfinden.“

Wenn Jesko Klatt expandieren sollte, dann hat er ganz andere Pläne. „Wenn wir was Neues machen, dann im Ausland, irgendwo, wo es warm ist.“ Barcelona sei da „hoch auf der Agenda“. Außerdem gebe es schon konkrete Pläne für London. Bis in die Karibik hat er es immerhin stilistisch fast geschafft. „Das ,The Grand‘ erinnert einerseits an ein abgerocktes Grand Hotel in Kuba oder Berlin“, sagt Klatt. „Andererseits hat es eine klassische Wertigkeit mit edlen Möbeln.“ In allen drei Restaurants hat sich Klatt verwirklicht – und ist auch in jedem regelmäßig präsent. Dass er dann auch noch Zeit für Freizeit und Familie hat, verdankt er seinen zuverlässigen Mitarbeitern, gibt er zu. „Klar, als Gastronom habe auch ich eine ganz besondere Beziehung zu gutem Essen – und zum Genießen. Und ich bemühe mich auch, dafür Zeit zu finden.“ Und wenn die Zeit knapp wird, kommt der kleine Jaden eben mit.