Drei Frauen in der Pubertät

Maren Kroymann, Eleonore Weisgerber und Rita Russek sind Schauspielerinnen im besten Alter – im Leben und auf der Leinwand

Das Älterwerden ist eine Herausforderung. Schon als Normalsterblicher hat man damit genug zu tun, doch für Schauspielerinnen sind Körper und Aussehen mehr als nur positive Begleiterscheinung, es ist ihr Kapital. Aber das Älterwerden hat auch seine positiven Seiten: mehr Gelassenheit, Ruhe, Zufriedenheit, weniger Druck und Stress, sagen die, die es wissen müssen. „Früher wurde man leicht auf sein Äußeres reduziert: Stimme, Figur, Sexappeal. Jetzt hört man uns mehr zu“, sagt Maren Kroymann. Und dass sie und ihre Kolleginnen Eleonore Weisgerber und Rita Russek noch einiges zu sagen haben, steht außer Frage.

In ihrem neuen gemeinsamen Film spielen sie drei Frauen um die 60, die es noch einmal wissen wollen. Ihre Zukunftsprognose – Suppe und Rollator im Seniorenheim? Nein, Danke. Da muss es doch Alternativen geben. Das denken sich die Freundinnen Elke, Sigrun und Maria, die sich gemeinsam ein Haus auf Gran Canaria als Alterswohnsitz kaufen wollen. „Mutti steigt aus“ heißt die Komödie nach dem gleichnamigen Roman von Tessa Hennig, die am Sonntag um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen ist.

„Ich finde, dass das Leben immer schöner wird“, sagt Eleonore Weisgerber. „Man hat viel gelernt, hat seine Erfahrungen gemacht, und trotzdem hat man noch Zeit, Neues auszuprobieren.“ „Ich fühle mich heute altersloser als früher“, sagt Maren Kroymann. „Und auch freier. Ich spüre ganz viel Frische und Neugier und Power in mir.“ Mit ihrem Bühnenprogramm „In my Sixties“ tourt die 63-Jährige momentan durch Deutschland. Sie singt Songs aus den 60er-Jahren. „Das sind Lieder, die mir etwas bedeutet haben, die mich begleitet haben, die meine Gefühle von damals widerspiegeln“, erklärt sie. „Ich sage immer, ich feiere damit mein persönliches Jubiläum: ‚50 Jahre Pubertät‘. Und ein wenig fühlen sich die Sechziger auch so an. Es ist eine Wechselphase – aber eine mit ganz vielen Möglichkeiten.“

Die Schauspielerinnen verbindet, dass sie in den 60er-Jahren jung waren. „Das war noch eine sehr altmodische und spießige Zeit. Die Frauen wurden Fräulein genannt, und alles, was mit Sex zu tun hatte, war verpönt“, so Maren Kroymann. Erst Ende der 60er kam durch die Studentenrevolte, die Kommune 1 und die Emanzipationsbewegung frischer Wind in die angestaubten Verhältnisse der Bundesrepublik. „Wir gehören zur Generation der Alt-68er. Viele von ihnen sind nach wie vor politisch interessiert und engagieren sich in verschiedenen Bereichen“, sagt Eleonore Weisgerber.

Maren Kroymann spielt in „Mutti steigt aus“ die Sigrun. „Sie ist nach außen hin die coolste von den dreien, trägt extravagante Kleider und ist gewöhnt, dass die Männer ihr hinterhergucken“, sagt die Schauspielerin. Ihre Kollegin Rita Russek ist Maria, die Bodenständigste, die dem Unternehmen anfangs skeptisch gegenübersteht. Und Eleonore Weisgerberverkörpert Elke. „Sie ist quirliger, aber auch kindlicher als die anderen“, sagt Weisgerber. „Sie kennt sich zwar gut in finanziellen Dingen aus, aber was Männer angeht, ist sie eher naiv und fällt immer auf die Falschen ein.“

Im wahren Leben hat Eleonore Weisberger 2007 die Stiftung „In Balance“ gegründet, die in der Öffentlichkeit auf Menschen mit bipolarer Störung (auch „manisch-depressiv“ genannt) aufmerksam machen will. „Das ist eine Krankheit, über die immer noch zu wenige Bescheid wissen, obwohl in Deutschland zwei bis fünf Millionen Menschen betroffen sind“, erklärt sie.

Auch in einem anderen Bereich macht sich die 65-Jährige stark: Sie fordert eine Neuregelung der Rente für Schauspieler. „Das Problem ist, dass Schauspieler, die für Film- und TV-Produktionen arbeiten, für einzelne Drehtage bezahlt werden und dadurch auch nur tageweise sozialversichert sind und nicht durchgehend, wie Angestellte.“ Viele Schauspieler bezahlen so über Jahre hinweg zu wenig in die Rentenkasse ein und stellen irgendwann erschrocken fest, dass zu wenig übrig bleibt.