Interview

Fernsehen mit Format

Ken Duken spielt die Hauptrolle in der ersten deutschen Pay-TV-Serie „Add a Friend“

Er stand neben Brad Pitt in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ vor der Kamera – und hat jetzt ein kleines Stück deutsche Fernsehgeschichte geschrieben: Schauspieler Ken Duken ist der Hauptdarsteller der ersten eigenproduzierten deutschen Pay-TV-Serie „Add a Friend“. Die Sendung mit dem 34-Jährigen, die in vielerlei Hinsicht amerikanischen TV-Vorbildern folgt, wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Am heutigen Montag startet die zweite Staffel auf dem Bezahlsender TNT Serie. Auch wenn sich die Zuschauerzahl – wie bei allen Pay-TV-Sendern in Deutschland – in Grenzen hält, ist „Add a Friend“ nicht erst seit dem Grimme-Preis vielen bekannt. Grund dafür ist die ungewöhnliche Erzählweise. Im Mittelpunkt steht der Fotograf Felix (Ken Duken), der nach einem Unfall an das Krankenhausbett gefesselt ist. In der zweiten Staffel ist es die Reha-Klinik. Über seinen Laptop hält er Kontakt zu seinen Freunden in der Außenwelt – vor allem mit seinem besten Freund Tom, gespielt von Friedrich Mücke, und seiner Mutter , die von Gisela Schneeberger verkörpert wird. Im Interview mit Britta Schultejans bedauert Duken zu wenig Mut im deutschen Film und Fernsehen.

Berliner Morgenpost:

Sie sind der Hauptdarsteller in der ersten deutschen Pay-TV-Serie. Waren Sie vorher skeptisch?

Ken Duken:

Ja, sicher. Ich hab vorher noch nie wirklich eine Serie gemacht. Immer wieder in die gleiche Rolle zurückzugehen, das war einfach nicht mein Ding. Aber dann habe ich die Bücher für „Add a Friend“ gelesen und mich krankgelacht. Als Schauspieler ist man in der Rolle allem beraubt – außer Mimik und Tonalität. Das Spannendste aber fand ich, dass man hier nach amerikanischem Pay-TV-Prinzip eigentlich einen Film über mehrere Episoden hat mit einer stringenten Geschichte. Ich kann hier auch nur eine Lanze brechen für (den Sender) Turner, dort war man mutig genug, Dinge auszuprobieren. Und ich glaube, dass man noch viel mutiger werden kann.

Warum gibt es so etwas im deutschen Fernsehen so selten?

Mir hat mal jemand gesagt, die Amerikaner machen Filme mit Geld, die Briten machen sie mit Mut, und in Deutschland gibt es Angst, Dinge auszuprobieren. Wobei das immer noch Jammern auf hohem Niveau ist. Das deutsche Fernsehen ist für mich eins der besten der Welt. Wir haben Qualität, aber die Nischen und Genres fehlen einfach. Ich habe mal eine Romantic Comedy in den USA gemacht, die dort sehr erfolgreich war, und hier beim Oldenburger Filmfest sagen die Kritiker, der Film sei so vorhersehbar. Bei einer Romantic Comedy – was soll ich da machen? Der Frau am Ende den Kopf abschlagen?

Sie haben einige große deutsche Kinorollen abgesagt und lieber ein kleines Fernsehspiel gedreht. Was stimmte denn mit den großen Rollen nicht?

Die waren schon okay, aber es ist einfach immer wieder das Gleiche, immer wieder die typischen Formate. Wenn jemand hier in Deutschland Erfolg hat, versuchen 15Leute, das Gleiche zu machen, anstatt mal etwas Neues auszuprobieren. Und viele mutige Projekte scheitern daran, dass keine Sau weiß, dass die Filme rauskommen.

Die Chefs von HBO haben einmal gesagt, Hollywood würde an Bedeutung verlieren, die besten Autoren und auch Schauspieler orientierten sich inzwischen um und machten Serien ...

Ja, weil da die Freiheiten viel größer sind. Die können sich da entfalten und ausprobieren. Fehlenden Mut kann ich Turner zum Beispiel nicht unterstellen. Das Budget ist natürlich kleiner, aber das macht man mit Mut und Energie wett.