Kino

Ein Australier in Babelsberg

Ein Setbesuch mit Geoffrey Rush bei den Dreharbeiten zu „The Book Thief“

Langsam wird es voll in Babelsberg: George Clooney dreht dort seit Anfang März „The Monuments Men“, Ryan Reynolds ist gerade für die Dreharbeiten zu „The Voices“ angereist, und dann entsteht in den Filmstudios vor den Toren Berlins auch noch die Romanverfilmung „The Book Thief“ („Die Bücherdiebin“). Während George Clooney sein künstlerisches Schaffen in der Filmstadt hermetisch nach außen abriegelt, laden die Macher von „The Book Thief“ zum Setbesuch nach Babelsberg. Nur der Fotograf muss auch bei diesem Filmset draußen bleiben.

Bereits seit Anfang März wird dort sowie in Görlitz und Werder gedreht, Mitte Mai soll der Film im Kasten sein. Für diesen wurde neben der altgedienten Außenkulisse „Berliner Straße“ ein täuschend echtes bayerisches Dorfes erschaffen. Die Geschichte des neunjährigen Mädchens Liesel, die vom Tod erzählt wird, der aus dem Off spricht, spielt in dem fiktiven Ort Molching während der Zeit des Nationalsozialismus. In den Hauptrollen werden neben Geoffrey Rush und Emily Watson auch deutsche Schauspieler wie Heike Makatsch, Barbara Auer und Rainer Bock zu sehen sein. Nach einer ausführlichen Besichtigung der Kulisse steht eigentlich ein Gespräch mit Geoffrey Rush auf dem Programm. Doch wie wohl fast immer beim Film, ist man bei der Tagesplanung spät dran. „Wir hängen in der Dispo“, heißt es. Außerdem sei der Hollywoodstar noch gar nicht vor Ort. Also geht es zur Stärkung ins Cateringzelt. Dort trifft sich gerade auch die Crew zum Mittagessen, und wir sind mittendrin in der ganz eigenen Atmosphäre am Set eines Films: Die beiden Kinderhauptdarsteller Sophie Nélisse und Nico Liersch toben herum und scheinen sich auch abseits der Kamera bestens zu verstehen, Menschen mit Walkie-Talkies laufen geschäftig von A nach B und die Komparsen in ihren 30er-Jahre-Kostümen wirken wie aus einer anderen Zeit.

Als Geoffrey Rush dann tatsächlich Zeit für uns hat, zeigt sich schnell: Das Warten hat sich gelohnt. Beim Interview ist der Australier in bester Plauderlaune. Vor ihm auf dem Tisch liegt die Romanvorlage von Markus Zusak – zerlesen und gespickt mit zahlreichen Lesezeichen und Anmerkungen. „Vor jeder Szene, die wir drehen, schaue ich die entsprechende Stelle noch einmal im Buch nach“, erzählt der 61-Jährige und setzt zu einer Leseprobe an. Dabei wirkt es dank seiner dunklen Stimme fast so, als habe der Tod persönlich gerade Einzug in den kleinen Raum gehalten. Rush hingegen hat von der Stimme des unsterblichen Erzählers seine ganz eigene Vorstellung: „Es muss jemand mit einer sehr speziellen Stimme sein. Vielleicht ein isländischer Schauspieler.“

Bereits seit der Berlinale im Februar ist der Oscar-Preisträger in der Hauptstadt und genießt die Wochen an der Spree. „Ich war in der Oper und habe mir Wagners ‚Tannhäuser‘ angesehen. Und in der Schaubühne war ich in ‚Hamlet‘, und einen Tango-Klub habe ich auch schon besucht“, erzählt er. Dass es in Berlin derzeit von seinen Kollegen aus Hollywood nur so wimmelt, mache seinen Aufenthalt noch angenehmer. Mit Cate Blanchett habe er sich schon auf den einen oder anderen Kaffee getroffen: „Sie ist eine liebe alte Freundin von mir.“ Dass „The Book Thief“ in Deutschland gedreht wird, ist für ihn ein entscheidender Faktor für die Atmosphäre des Films. „Denn hier ist die Geschichte passiert“, erzählt er noch schnell, bevor es wieder ans Set geht – dort ist man schließlich schon genug in Verzug.