Literatur

Wenn Popliteratur erwachsen wird

Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange über ihren frühen Erfolg, die Faszination von Geheimnissen und das Leben als dreifache Mutter

Rote Locken, Sommersprossen, fröhliches Lachen. Das ist Alexa Hennig von Lange, wie man sie kennt. Dass sie vor Kurzem 40 Jahre alt geworden ist, sieht man der dreifachen Mutter nicht an. Höchstens ein paar kleine Fältchen sind hinzugekommen, seit sie 1997 ihr Romandebüt „Relax“ veröffentlicht hat. Damals war der Medienrummel um die erst 24-jährige Schriftstellerin auf einmal riesengroß. Als „Spice Girl der Literaturszene“ und „Stimme ihrer Generation“ wurde sie bezeichnet. „Ich muss rückblickend sagen, dass ich damals diesen ganzen Hype gar nicht so richtig bewusst mitbekommen habe“, sagt Alexa Hennig von Lange heute. „Damals wusste ich noch nicht einmal, dass es so etwas wie Buchkritiken überhaupt gab. Das scheint vielleicht kokett, aber bis dahin hatte ich von diesem Medien-Drumherum keine Ahnung. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass ich mit ‚Relax‘ offenbar einen Ton getroffen hatte, mit dem sich viele identifizieren konnten.“

Tatsächlich spiegelte das Buch seinerzeit das Lebensgefühl vieler junger Leser wider. Im Roman geht es um das wilde Leben in der Großstadt, um Partys, Beziehungen, Sex und Drogen. „Während ich das Buch geschrieben habe, war ich nichts weiter als ein Teil einer Gruppe von fröhlichen Leuten, die irre Dinge erlebten. Ich habe aufgeschrieben, was passierte und was mich beschäftigte“, erklärt Alexa Hennig von Lange, die seit 1993 in Berlin lebt. „Erst als Benjamin von Stuckrad-Barre in der ‚Allegra‘ einen Artikel über mich verfasst hatte, in dem er bemerkte, dass ich ständig von ‚meiner Generation‘ sprach, kam das auf mit der ‚Stimme einer Generation‘. Das bot sich damals offenbar an – und es hat mich auch nicht gestört.“ „Relax“ wurde ein Bestseller. Es folgten zahlreiche Interview- und TV-Anfragen und Talkshow-Auftritte, unter anderem bei Harald Schmidt. Rückblickend eine rauschhafte Zeit.

Inzwischen ist das Leben von Alexa Hennig von Lange ruhiger geworden. Sie hat geheiratet, der jüngste Sohn ist eineinhalb, der mittlere zehn, ihre Tochter schon 14. Sie lebt immer noch in Mitte, trifft manchmal alte Bekannte von früher auf der Straße. „Dann lächelt man sich zu und grüßt und freut sich, dass die anderen auch noch hier sind“, sagt sie und denkt dabei ein wenig wehmütig an vergangene Berliner Zeiten zurück. „Natürlich ist es ganz anders als Anfang, Mitte der 90er-Jahre. Dieses Provisorische, dieses Sich-Ausprobieren und eine Idee haben und dann einfach loszulegen – das vermisse ich heute manchmal“, sagt sie. „Damals machte in jedem Keller eine Bar auf, es gab kleine Galerien und Künstler, die blaue Plastiksäcke aufgeblasen und sie als Kunst verkauft haben. Dieses Improvisierte fehlt mir manchmal.“

Als Schriftstellerin ist Alexa Hennig von Lange heute eine feste Größe im deutschen Literaturbetrieb. Vor allem ihre Jugendromane rund um Hauptfigur Lelle verkaufen sich bestens. „Diese ganz spezielle Zeit ist für mich immer noch sehr lebendig“, erklärt die Autorin ihr Erfolgsrezept. „Das Erwachsenwerden ist das Tollste, das Fantastischste, was einem Mensch je widerfahren kann. Total bewusstseinserweiternd.“

Mit „Der Atem der Angst“, erschienen am 25.März, hat Alexa Hennig von Lange erstmals einen Thriller geschrieben. „Ich habe schon immer gerne mit Geheimnissen gespielt, um die sich eine Geschichte dann rankt, die vom Leser zu lösen ist“, sagt sie. Das Buch greife Themen auf, die sie schon länger faszinieren: „Es geht um Abschied von der Kindheit, um die jugendliche Sehnsucht nach Selbstauslöschung und das Märchenthema von Hänsel und Gretel: das Verlassenwerden im Wald.“ Auch ein neues Projekt ist bereits in Arbeit. „Das nächste Buch wird ein Liebesroman, so ein richtiger Wälzer“, sagt sie. „Ich bin auch schon so richtig drin im Fieber und liebe meine Figuren – ich vermisse sie richtig, wenn ich mich gerade nicht mit ihnen beschäftige.“ Eines ist also sicher: Alexa Hennig von Lange hat noch viel zu erzählen.