Buchverfilmung

„Anwälte sind keine Pfarrer“

Ferdinand von Schirach wurde mit seinem ersten Buch zum Bestseller-Autor. Jetzt bringt Oliver Berben „Verbrechen“ ins ZDF

Gebildet, höflich und ein wenig geheimnisvoll: Wenn man mit Ferdinand von Schirach spricht, dann scheint jedes Wort wohlüberlegt, durchdacht. Aber wahrscheinlich genau deshalb ist der gebürtige Münchner so erfolgreich in dem, was er tut: schreiben und Menschen vor Gericht vertreten. Und beides mit sehr viel Erfolg. Sein erstes Buch „Verbrechen“ – ein Sammelband mit Anekdoten aus seinem Alltag als Anwalt – wurde zum Bestseller und war so vielversprechend, dass Filmproduzent Oliver Berben sich die Filmrechte sicherte und nun eine TV-Serie im ZDF daraus gemacht hat. Die erste Folge wird am 7. April ausgestrahlt. Dabei sind die Geschichten häufig sehr brutal. Wie hält man es als Anwalt aus, sich Tag für Tag damit zu beschäftigen?

„Anwälte sind keine Pfarrer, es ist nicht ihre Aufgabe, den Menschen zu bewerten oder ein moralisches Urteil zu sprechen“, sagt Schirach, der seit 1994 als Strafverteidiger in der Hauptstadt arbeitet. „Ihre Aufgabe ist es, ihren Mandanten zu verteidigen, nicht mehr und nicht weniger.“ Immerhin sei der gesetzliche Auftrag eines Anwalts nicht die Suche nach Wahrheit. „Das ist das Seltsame und gleichzeitig Großartige an unserer Strafprozessordnung“, findet Schirach. „Dadurch, dass der Anwalt nur für seinen Mandaten da ist und seine Partei ergreift, entsteht am Ende Gerechtigkeit.“ In eine moralische Zwickmühle gerate man deshalb nicht.

In seinen Büchern darf Schirach jedoch nur in Ansätzen über seine Fälle schreiben, als Strafverteidiger stehe er unter der Schweigepflicht, sagt er. „Ich setze eine Kurzgeschichte deshalb aus vielen Fällen zusammen. Sie sind trotzdem wahr, schon weil Literatur immer wahrer als die Wirklichkeit ist.“ Aber wahrscheinlich ist es genau das, was Schirach so erfolgreich macht. Auch weil durch seine Schreibweise beim Lesen immer sofort das Kopfkino angeht. „Ja, vielleicht schreibe ich filmisch, ich denke in Bildern und schreibe in Bildern, es gibt kaum innere Monologe“, sagt er.

Dass seine Bücher sich auch für eine Verfilmung anbieten, war ihm durchaus bewusst. Jedoch kommt es für ihn nicht infrage, sich selbst als Drehbuchautor zu versuchen – auch wenn es dabei um sein eigenes Werk geht, denn, so sagt der Autor: „Zu filmen ist eine ganz andere Kunstform als zu schreiben. Das muss man respektieren.“