Musik

Der Posterboy des Schlagers

Semino Rossi über sein neues Album, die Liebe und das Recht auf Musik zum Träumen

Semino Rossi hat das Zeug zum perfekten Vorbild gelungener Integration: 1962 in Rosario, Argentinien, geboren, kam der Mann mit der unverwechselbaren Lockenpracht 1985 nach Österreich und avancierte Anfang der 2000er-Jahre zu einem der größten Stars des deutschsprachigen Schlagers. Den Erfolg bei seinem größtenteils weiblichen Publikum verdankt der Wahltiroler ohne Zweifel seinem südländischen Charme, dem reizenden Akzent und vor allem seiner Glaubwürdigkeit. Denn Semino Rossi lebt den Schlager. Spöttische Bemerkungen über Fan-Heerscharen von betagten Damen, die bei seinem Anblick in Wallung geraten oder die allzu perfekte Heile-Welt-Kulisse lässt der Musiker nicht gelten. „Schlagerhörer sind auch Teil unserer Gesellschaft. Sie haben auch das Recht, mit 20, 40 oder 80 Jahren noch Musik zum Träumen zu hören. Und wenn diese Menschen zu mir kommen und sagen, sie sind ein großer Fan, dann kommt das von Herzen“, erklärt er – und man nimmt es ihm tatsächlich ab.

Eben diese Musik zum Träumen ist Semino Rossis Spezialität. Die Songs auf seinem neuen Album „Symphonie des Lebens“, das am 15. März erscheint, heißen „Bella Romantica“, „Für immer und einen Tag“ oder „Meine kleine Rose “ und handeln vom Suchen und Finden der Liebe.

Überhaupt die Liebe – für Semino Rossi scheint sie eine Art Lebensthema zu sein. Nicht nur in seinen Texten, sondern auch im Interview spricht der 50-Jährige beständig über die Liebe. „Die Liebe ist ein Thema, über das ich sehr gerne singe. Die Liebe betrifft uns alle. Ich fühle mich in diesem Bereich sehr wohl“, sagt der Vater von zwei Kindern, der seit 1991 mit einer Südtirolerin verheiratet ist. „Es haben schon so viele Menschen von der Liebe gesungen, aber es berührt die Leute trotzdem immer wieder. Man könnte denken, über die Liebe sei schon alles gesagt, aber für mich ist das mit jedem Lied wieder neu.“

Während er sich inhaltlich also an Altbewährtes hält, hat Semino Rossi bei der Produktion seines Albums dieses Mal auf die nicht offensichtlich naheliegende Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen gesetzt. Nach anfänglichen Zweifeln ist er mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Schon nach drei Minuten habe ich gemerkt, dass er sehr professionell ist und genau weiß, was er mit einem Interpreten macht. Ich finde, die CD ist sehr gut geworden.“ Trotz aller Begeisterung für Dieter Bohlen, seine neuen Heimat und den deutschen Schlager, hat aber auch Semino Rossi manchmal Sehnsucht nach Argentinien. „Meine Familie fehlt mir, meine liebe Mama“, sagt er wehmütig. „Manchmal kommt es mir so vor, als wenn der Himmel dort ein anderer ist.“