Natalia Wörner

"Ich bin nicht perfekt"

Natalia Wörner über Lebenslügen, starke Frauen und ihre schwachen Momente

Sie hat schon viel geredet an diesem Tag. Und doch wirkt Natalia Wörner keinesfalls müde. Die 45-Jährige nimmt sich für jede Antwort Zeit - was wohl am Thema liegt: In dem ZDF-Zweiteiler "Rosamunde Pilcher: Die andere Frau", der am 23. und 25. Dezember (um 20.15 Uhr) ausgestrahlt wird, spielt sie eine Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes dessen Doppelleben entdeckt: seine andere Familie. Im Interview mit Caroline Rudelt spricht Natalia Wörner, die nach der Scheidung von Robert Seeliger mit ihrem Sohn in Berlin lebt, über starke Frauen und den Wunsch, Schwäche zeigen zu dürfen.

Berliner Morgenpost:

Frau Wörner, Sie spielen zum ersten Mal in dem jährlichen internationalen Rosamunde-Pilcher-Zweiteiler mit. Was hat Sie daran gereizt?

Natalia Wörner:

Die Rolle. Die Partner. Vor allem aber hat mich die Reise dieser Frau interessiert, der alles wegbricht und die plötzlich mit einer großen Lebenslüge konfrontiert wird. Das fand ich reizvoll - und so kam ich dazu, in der traumhaften Naturkulisse Südenglands zu drehen.

Sie leben ebenfalls außerhalb...

Das denken alle. Aber nein, ich lebe in Berlin und besitze einen Bauernhof abseits der Stadt. Ich bin also mit meinem Sohn nur an den Wochenenden und in den Ferien nicht in der Stadt, sonst hier.

Ihre Figur erlebt einen totalen Verrat. Ist Ihnen schon ähnliches widerfahren?

Nein, um Gottes Willen, das wünsche ich niemanden. Aber im Laufe meiner Recherche habe ich erstaunlich viele vergleichbare Situationen mitbekommen, die Frauen durchlebt haben. Also etwas, das über den harmlosen Betrugsfall - Mann betrügt Frau und andersherum - hinausgeht. Diese Form des Betrugs gehört für mich fast zum Erwachsenwerden dazu. Denn ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der das nicht schon durchgemacht hat, in die eine oder andere Richtung.

Würden Sie sich selbst als einen misstrauischen Menschen beschreiben?

Nein, ich bin offen - und schaue dennoch genau hin. Die Offenheit kann daher also eine vorsichtige sein, trotzdem überschätze ich die Menschen häufig.

Im Film muss Ihre Filmfigur einen kompletten Neuanfang wagen, wozu viel Mut gehört. Würden Sie genauso handeln?

Nun ja, auch in meinem Leben gibt es eine Ehe, eine Scheidung, ein Kind. Klar, als Mutter hat man ein Verantwortungsgefühl, das allumfassend ist. Gescheiterte Beziehungen gehören leider zu unserer Realität. In 80 Prozent der Fälle sind es die Frauen, die ihre Kinder großziehen. Es sind enorme Pakete, die die Frauen tragen. Mir wird manchmal zu wenig gewürdigt, was Frauen so alles hinbekommen.

Sie sind selbst alleinerziehend.

Mein Ex-Mann ist ein Freund geworden. Er ist da, wenn ich nicht da bin. Meine Eltern sind zudem sehr präsent. Wir haben also in der Familie eine Systematik gefunden, wie wir das gestalten können. Das ist für meinen Sohn das Allerschönste.

Waren Ihre Prioritäten von Anfang an so gelagert? Erst das Kind, dann der Beruf?

Ich hatte da im Laufe der letzten Jahre natürlich ambivalente Gefühle, wie jede berufstätige Mutter sie kennt. Andererseits konnte ich es meinem Kind ja auch erklären, wenn ich zum Drehen verreisen musste. Es gibt zu meinem Beruf ohnehin keine Alternative. Ich will schließlich arbeiten. Und ich muss. Doch natürlich habe ich auch auf einiges verzichtet. Als mein Sohn im Sommer eingeschult wurde, habe ich ein halbes Jahr nicht gedreht.

Sehen Sie sich als starke Frau?

Was ist stark? Ich habe schon einiges in meinem Leben selbst hinbekommen und erlebe, dass Frauen es bewundernswert finden, während es bei Männern eher Ängste auslöst. Ich habe mir natürlich nicht gewünscht, dass ich den Karren nun so alleine ziehe, das war nicht mein Lebensmodell. Ich denke gleichzeitig, dass meine Selbstwahrnehmung eine andere ist als die, die über mich da draußen kursiert. Denn ich habe nicht auf alles eine Antwort, ich möchte mir den Raum geben, wieder eine Fragende zu sein. Ich mache es halt so, wie ich es kann. Und das ist nicht perfekt. Allerdings sollten wir uns ohnehin von dem Perfektionsgedanken lösen, den insbesondere wir Frauen uns auferlegen. Das hemmt nur.