Musikbusiness

Die etwas andere Lena

Stefanie Heinzmann über den Eurovision Song Contest, Castingshows und ihre aktuelle Tour

Fast könnte man Stefanie Heinzmann als Anti-Lena-Meyer-Landrut bezeichnen. Beide Sängerinnen sind im selben Alter, beide wurden durch eine Castingshow von Stefan Raab bekannt und beide haben in diesem Jahr ihr drittes Studioalbum veröffentlicht. Doch während Lena mit dem Sieg beim Eurovision Song Contest erst zum Liebling der Nation avancierte und später mit ihrem Görencharme polarisierte, schlug Stefanie Heinzmann von Anfang an ruhigere Töne an. "Ehrlich gesagt, um diese Erfahrung beneide ich Lena überhaupt nicht. Ich wollte wirklich nie zum Eurovision Song Contest fahren. Das ist echt nicht meine Veranstaltung", sagt die Schweizerin. "Ich bin sehr glücklich, wie alles gerade ist. Ich habe keine zu hohen Ansprüche an mein Leben. Die Hauptsache ist für mich, dass ich gesund bin", ergänzt sie und klingt dabei nicht wie eine 23-Jährige, die mit ihrer Band gerade durch ganz Deutschland tourt. Einige halten sie für langweilig, doch ihre Fans lieben ihre Bodenständigkeit, verfolgen fast täglich die Aktivitäten der jungen Frau auf Facebook, die 2009 sogar zur "Brillenträgerin des Jahres" gewählt wurde.

Ihre Entspanntheit im Umgang mit dem Musikbusiness will Stefanie Heinzmann jetzt auch an junge Talente weitergeben. Ab Januar des kommenden Jahres coacht sie mit drei Kollegen die Kandidaten der Castingshow "The Voice of Switzerland". "Ich glaube, dass ich den Teilnehmern sehr viel vermitteln kann, weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt, in so einer Show zu sein", erklärt die Sängerin, die sich gern bescheiden gibt. "Ich möchte ihnen Lockerheit geben und ihnen die Angst davor nehmen, was sie im Showbusiness erwartet."

Davon, was sie selbst erwartete, als sie sich 2007 bei Stefan Raabs Gesangswettbewerb auf Pro7 bewarb und tatsächlich gewann, hatte Stefanie Heinzmann nämlich nicht die geringste Ahnung. "Ich hatte damals richtig Angst vor Castingshows. Ich dachte, dort wollen mir alle nur Böses und habe auch nur mitgemacht, weil mein Bruder mich dazu überredet hat. Ich dachte, die Leute werden dort alle fertig gemacht", sagt sie im Nachhinein.

Wegen einer Erkrankung der Stimmbänder musste die Sängerin 2009 und 2010 mehrere Konzerte absagen. Nach einer Auszeit hat sie sich für ihr neues Album "Stefanie Heinzmann", das am 16. März dieses Jahres erschien, besonders viel Zeit genommen und dafür auch zum ersten Mal eigene Texte geschrieben. "Wir konnten uns eineinhalb Jahre lang überlegen, was wir wollten und herumprobieren. Das war ein echter Luxus. Beim ersten Album hatten wir gerade mal drei Wochen Zeit", sagt die Walliserin. Wenn sie am heutigen Dienstagabend mit ihrer Band im "Postbahnhof" zu Gast ist, erwartet die Fans deshalb vor allem eines: puren Spielspaß.