Preisverleihung

Gegen das Vergessen

Toleranzpreis in der neuen Akademie des Jüdischen Museums verliehen

Es war ein Abend, bei dem Vergangenheit und Zukunft aufeinandertrafen. Eine Gala im Zeichen der Erinnerung, aber auch der Erneuerung. Eine festliche Preisverleihung an zwei Männer, die sich für eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus stark machen - und doch weit mehr als das. Denn bei der diesjährigen, der elften, Vergabe des "Preises für Verständigung und Toleranz" durch das Jüdische Museum Berlin standen nicht nur die beiden Geehrten, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und Industriemanager Klaus Mangold, im Fokus.

Besonders gefeiert wurde an diesem Sonnabend auch das Gebäude, in dem der Festakt mit rund 400 Gästen, darunter Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt, stattfand: die neue Akademie des Jüdischen Museums in Kreuzberg. Hier sollen die Bildungsangebote sowie das Archiv und die Bibliothek des Museums untergebracht werden.

Die frühere 6000 Quadratmeter große Blumengroßmarkthalle war seit Sommer 2011 für 11,8 Millionen Euro nach Entwürfen des US-Stararchitekten Daniel Libeskind umgebaut worden, der bereits den Museumsneubau verantwortet. Viel Holz wurde für die drei großen, würfelartigen Räume genutzt - weniger jedoch aus ökologischen Gründen. "Holz symbolisiert den Lebensbaum und seine Wurzeln", sagte Libeskind dazu. So gehe es in den neuen Räumen wie im gesamten Museum vor allem um die "jüdische Erfahrung" in Deutschland und weltweit.

Ein lebendiges Mahnmal gegen das Vergessen. "Als unsere Kernmission sehen wir es, all unsere Besucher, vorrangig aber die jüngeren, daran zu erinnern, wie wichtig eine tolerante Gesellschaft ist. Die Akademie soll nun einen Beitrag für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen leisten", sagte der Gastgeber, Museumsdirektor Michael Blumenthal.

Genau dafür setze sich Richard von Weizsäcker ein, der für seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes geehrt wurde, in der er den 8. Mai 1945 als "Tag der Befreiung" bezeichnete. "Dieser Preis gilt einem Mann, der sich Zeit seines politischen Lebens darum bemüht hat, aus dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte auf eine zukunftsweisende Art zu lernen", würdigte ihn sein Laudator, der Historiker Heinrich August Winkler.

Mit minutenlangen stehenden Ovationen wurde von Weizsäcker anschließend bedacht, der sich selbst gewohnt bescheiden zeigte: "Mein Interesse an Geschichte war stets größer als meine Kenntnisse", erzählte er schmunzelnd - und erklärte weiter: "Es muss nicht zwingend eine Einigung der Gebete geschaffen werden. Allerdings sollten wir uns um eine Einheit der Betenden bemühen."

Klaus Mangold erhielt die Auszeichnung für sein Engagement in der deutsch-französischen Aussöhnung sowie bei der Vertiefung der Kontakte nach Nahost. Er fasste es treffend zusammen: "Man möchte Abende wie diese nicht missen. Weil man weiß, welche Bedeutung sie haben."

An der Festveranstaltung nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik, Kultur und Gesellschaft teil, darunter auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).