Film

Kleine Blessuren, große Wirkung

Irgendwo wird in Berlin immer gedreht - Set-Besuch bei Matthias Schweighöfer, Ruth Maria Kubitschek und Christiane Paul

Die Premiere von Tom Tykwers Blockbuster "Cloud Atlas" im Sony Center am Potsdamer Platz liegt erst wenige Tage zurück, da wird in Berlin schon wieder fleißig am Kino-Nachschub gearbeitet. In Jogginghose und Adiletten schlurfte am Donnerstag Matthias Schweighöfer über die Flure des Universitätsklinikums Benjamin Franklin in Steglitz. Der 31-Jährige steht dort derzeit für seinen neuen Film "Frau Ella" vor der Kamera. Die Tragikomödie erzählt die Geschichte von Sascha (Schweighöfer), der sein Krankenhauszimmer nach einem Unfall mit der 87-jährigen Ella (Ruth Maria Kubitschek) teilen muss. Nach anfänglichen Berührungsängsten freunden sich die beiden an und machen sich in Frankreich auf die Suche nach der Jugendliebe der alten Dame. Neben Berlin wurde auch schon in Beelitz-Heilstätten, Paris und in der Bretagne gedreht. Ende November soll der Film fertig sein. "Ruth Maria Kubitschek ist ein cooles Mädchen", schwärmte Matthias Schweighöfer von seiner Filmpartnerin. Von den Älteren könne man vor allem Gelassenheit lernen.

Auch Florian Beckerhoff, Autor der Romanvorlage, schaute am Set vorbei, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Mit Ruth Maria Kubitschek als Frau Ella war er mehr als zufrieden und machte Erinnerungsfotos mit der Schauspielerin, um sie später seinen Enkeln zeigen zu können. Die 81-Jährige gab das Kompliment gern zurück. Sie hatte den Roman schon vor Beginn der Dreharbeiten gelesen und sich selbst um die weibliche Hauptrolle bemüht. "Dieser Charakter hat alles, was man sich wünschen kann. 'Frau Ella' ist das Sahnehäubchen meiner Karriere", so die Wahlschweizerin.

Rund um die Skalitzer Straße in Kreuzberg entstehen in diesen Tagen gleich mehrere Filme: "Meine Eltern wollten mich kürzlich hier beim Dreh besuchen und landeten erst mal am Set eines anderen Films", erzählte Regisseur Robert Thalheim lachend. Er dreht dort seit zwei Wochen die Komödie "Eltern" mit Christiane Paul und Charly Hübner in den Hauptrollen. Die beiden spielen ein Elternpaar, das versucht, Kinder, Beruf und ihre Beziehung unter einen Hut zu bringen - mit allen Problemen, die der Alltag mit Nachwuchs so mit sich bringt. "Berlin ist doch das Epizentrum des Kinderkriegens", sagte der Regisseur, "hier konnten wir das urbane Eltern-Sein ganz besonders gut darstellen. Und es gibt ganz tolle, kreative Kinder hier."

Der Großteil des Films wird in Kreuzberg gedreht, doch die Bewohner lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. "Wir mussten einen Fahrradweg vor dem Haus verlegen", erzählte Christiane Paul, "da gab es vielleicht mal kurz schlechte Laune." Aber sonst seien die Kiezbewohner an Dreharbeiten gewöhnt, ergänzte ihr Kollege Charly Hübner: "Da guckt uns keiner mehr neugierig zu." Noch rund eine Woche teilen die Kreuzberger ihren Kiez mit dem Filmteam, danach wird in Halle weitergedreht - später im fertigen Film aber so getan, als sei es Berlin. Die Komödie soll Mitte 2013 in die Kinos kommen.