Benefiz-Aktion

Im Einsatz für die Anderen

Beim dritten Ladies Lunch der Berliner Morgenpost ist ehrenamtliches Engagement das Thema

Es dauerte nur wenige Minuten, bis er zur Sprache kam: Jonny K., der 20-jährige Berliner, der in der Nacht zum 14. Oktober am Alexanderplatz zu Tode geprügelt worden war. Ein Vorfall, der für Entsetzen in der Stadt sorgte - und zugleich verdeutlichte, wie wichtig es ist, gegen eine Verrohung der Gesellschaft anzugehen. Dass dabei der Einsatz jedes Einzelnen zählt, beweisen jene Frauen, die am dritten Ladies Lunch der Gesellschaftsredaktion der Berliner Morgenpost im Journalistenclub des Axel-Springer-Hauses teilnahmen. Sie alle engagieren sich ehrenamtlich für verschiedene Initiativen und Interessen. Was sie eint, ist ihre Überzeugung.

"Es muss Irre geben wie uns, sonst funktioniert die Gesellschaft nicht", fasste es Sabine Werth zusammen. Die Mitbegründerin und ehrenamtliche Vorsitzende der Berliner Tafel sorgt täglich dafür, dass bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung ist die Kinderarmutsquote in der Hauptstadt zwar leicht gesunken, mit 34,3 Prozent aber noch immer weit über dem Bundesdurchschnitt. Für die Jüngsten arbeitet seit mehr als 20 Jahren auch Wera Röttgering. Mit ihrem Verein Herzenswünsche und rund 70 ehrenamtlichen Helfern möchte sie Träume von schwer kranken Kindern und Jugendlichen erfüllen. Dass es weniger Miteinander innerhalb Berlins gebe, davon würde sie nichts spüren. Im Gegenteil: "Wesentlich mehr Menschen lassen sich etwas einfallen. Sie sehen, dass es hierzulande, direkt vor der Haustür, einen großen Bedarf gibt. Und da wollen sie helfen." Dabei komme es auf jede kleine Geste an, wie Stefanie Wall betonte, die als externes Mitglied die Wall AG in der Schulkonferenz vertritt. "Wir sollten wieder vermehrt in den Kontakt mit unseren Mitmenschen treten. Das wäre ein erster Schritt." Ehrenamtliche Tätigkeiten seien trotzdem nicht im Vorbeilaufen zu erledigen. Oft sind sie eine Vollzeitbeschäftigung, anstrengend, nervenaufreibend - und weitaus mehr als "Charity-Events von Leuten, die es sich leisten können", wie Isabelle von Stechow, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Berlin, sagte. "Es ist wichtig, ehrenamtliche Arbeit gezielt zu begleiten und zu fördern. Dafür braucht es hauptamtliche Unterstützung." Dabei sei auch die Politik gefordert. "Ehrenamtliche brauchen Anerkennung, die über das ausgesprochene Lob hinausgeht", stimmte Stefanie Wall zu. "Man muss Anreize schaffen, etwa die Arbeit auf die Rente anrechnen."

Hella Dunger-Löper, Staatssekretärin und Beauftragte für das Bürgerschaftliche Engagement, hält ein professionelles Gerüst für Vereine ebenfalls für notwendig. Vor allem für die Koordination bedürfe es festangestellter Kräfte. Gleichzeitig gebe es Studien, die belegen, dass manche Ehrenamtliche lieber im Stillen agieren. Jacqueline Boy wirbt bewusst für ihren Verein Kinderschutzengel, der kranken Kindern Krankenhausaufenthalte so leicht wie möglich machen möchte. Auf öffentliche Gelder verzichtet sie aber: "Ich möchte schnell und gezielt helfen." Sabine Werth finanziert ihre Tafel ebenfalls mit Kleinstspenden: "Wir wollen uns nicht abhängig machen." Untereinander betrachten sich die Vereine wohlwollend - und stehen in gesunder Konkurrenz zueinander. Schließlich ist jeder auf Spenden angewiesen. Die größte Motivation für ungezählte Überstunden sei dagegen gratis zu bekommen. Wera Röttgering beschrieb es so: "Es geht immer um die Anderen. Wir helfen und bleiben sonst im Hintergrund. Denn dafür sind wir da."