Fernsehen

Die Kritik zum "Tatort": Schlaflos in Konstanz

Sie sieht so müde aus. Sind zehn Jahre "Tatort" am Bodensee zu viel für Eva Mattes?

Nein, sie - oder vielmehr ihre Kommissarin Klara Blum - hat nur die ganze Nacht durch verhört und ist gar nicht erst nach Hause gekommen. Das wird sie übrigens während ihres ganzen Jubiläums-"Tatorts" nicht schaffen. Sie wird, wenn überhaupt, im Büro schlafen. Wird die ganze Zeit übermüdet durch ihren 23. Fall "Nachtkrapp" stolpern.

Mit Jubiläen ist das so eine Sache. Bei jedem runden Geburtstag stellt man sich die Frage: Soll man ihn zelebrieren? Oder einfach verstreichen lassen? Beim SWR hat man sich die Frage wohl auch gestellt und sich offenbar für Letzteres entschieden. Immerhin: Frau Kommissarin muss nicht nur nach einem Kindermörder suchen, sie muss sich auch noch mit einem Konkurrenten aus der Schweiz plagen. Das ist aber auch nicht ganz neu, der "Tatort" im Dreiländereck hat schon immer mal grenzübergreifend operiert. Und so kabbeln sich der Herr Kommissär und die Frau Kommissarin bald so andauernd um Kompetenzen und Vorgehensweisen, dass dabei die schlimmsten Pannen passieren. Sebastian Bezzel als Blums' Assistent steht auch nur wie Falschgeld in der Szenerie. Es scheint, als ob alle irgendwie nicht viel Schlaf kriegen. Der Bodensee macht träge. Nie ist er so schön wie im Herbst. Der "Tatort" ist aber schon weiter. Da ist November. Die Zeit, in der die Wolken nicht über die Alpen kommen. Da muss man ja den Blues haben. Die Ermittler haben ihn auch. Überhaupt ist die Bodensee-Region ein gefährliches Terrain. Da kann man schnell melancholisch werden. Kein Zufall wohl, dass der "Tatort" aus diesem Zipfel der Republik denn auch der ländlichste, der langsamste ist. Deshalb ist mit "Nachtkrapp" jetzt auch das entschleunigste Jubiläum zu verzeichnen, das der "Tatort" je erlebt hat. Wir hoffen, dass das nur die in dieser Region nicht unbekannte November-Depression ist. Wir wünschen allen Beteiligten, dass sie bis zum 24. Bodensee-Krimi alle eine Mütze Schlaf bekommen.