Interview

"Für mich ist Klara Blum eine echte Gorillafrau"

Schauspielerin Eva Mattes über ihr zehnjähriges Jubiläum als "Tatort"-Ermittlerin am Bodensee

Seit zehn Jahren verkörpert Schauspielerin Eva Mattes die "Tatort"-Kommissarin Klara Blum, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Perlmann (Sebastian Bezzel ) am Bodensee ermittelt. Am heutigen Sonntag (20.15 Uhr, ARD) sucht sie in der Jubiläumsfolge "Nachtkrapp" den Mörder eines kleinen Jungen. Im Interview mit Stefanie Staiger spricht die 57-Jährige über ihre Rolle als Ermittlerin, die Begeisterung für den Bodensee und warum sie sich einen Mann für Klara Blum wünscht.

Berliner Morgenpost:

Zehn Jahre Bodensee-"Tatort", herzlichen Glückwunsch. Kommt Ihnen das so lange vor, wie es klingt? Oder ging die Zeit schnell vorbei?

Eva Mattes:

Die zehn Jahre gingen rasend schnell vorbei. Als ich angefangen habe, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich das so lange machen werde. Aber jetzt, rückblickend, sind sie vergangen wie im Fluge.

Wenn man eine Rolle so lange Zeit spielt, wächst sie einem natürlich auch ans Herz. Wie würden Sie Klara Blum beschreiben, was ist sie für ein Typ?

Klara Blum ist ein Gorilla. Für mich ist sie eine echte Gorillafrau, die durch den Urwald geht und ihre Familie beschützt und aufpasst, dass ihr nichts passiert. Sie ist auf eine Art weich, aber in ihrer Weichheit auch unerbittlich. An ihr kommt keiner vorbei.

War die Figur von Anfang an so angelegt, oder hat sich Klara Blum - auch durch Ihr Spiel - in diese Richtung entwickelt?

Sie hat sich entwickelt, allerdings waren Züge schon im ersten "Tatort" angelegt. In der ersten Folge starb ihr Mann, und da kam mir erstmals dieses Bild in den Sinn. Sie sitzt vor der Leiche ihres Mannes und sagt zum Mörder "Ich bringe dich um". Da habe ich zum ersten Mal diese Gorillafrau vor mir gesehen und dachte: Wow, die hat eine unglaubliche Kraft und Wut.

Ulrike Folkerts, die zu den dienstältesten "Tatort"-Kommissarinnen gehört, hat gesagt, sie musste anfangs als Ermittlerin Lena Odenthal noch sehr männlich und hart rüberkommen, sie sei erst mit den Jahren etwas weicher geworden. Durfte Ihre Klara Blum von Anfang an weiblicher, sensibler, intuitiver sein?

Ja, das durfte sie. Das ist ja auch naheliegend bei meinem Typ. Aber man muss ja auch immer gucken: Wie setzt man sich ab von den anderen "Tatort"-Kommissarinnen. Die sind ja alle sehr unterschiedlich.

Wie gefällt es Ihnen am Bodensee? Können Sie als Wahlberlinerin dieser ländlichen Idylle etwas abgewinnen?

Ich finde die Landschaft wunderschön, auch das Klima ist ein ganz besonderes. Ich genieße es sehr, wenn wir dort drehen. Das ist fast ein wenig wie Ferien. Ich schwimme auch sehr gern im Bodensee, besonders im Sommer. Jetzt im Herbst wird es dafür leider langsam zu frisch.

Mit Ihrem "Tatort"-Kollegen Sebastian Bezzel arbeiten Sie seit acht Jahren zusammen. Wie gut verstehen Sie sich?

Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und sind auch privat befreundet. Wir telefonieren regelmäßig und besuchen uns gegenseitig. Wenn er in Berlin ist, treffen wir uns. Oder ich schaue in Hamburg bei ihm und seiner Familie vorbei.

Wünschen Sie Klara Blum, die nun seit der ersten "Tatort"-Folge Single ist, nicht doch endlich mal einen neuen Partner?

Doch, auf jeden Fall (lacht). Ich finde durchaus, dass Klara Blum einen Mann an ihrer Seite vertragen könnte. Ich rege das immer wieder an, auch bei den Drehbuchautoren. Ich habe da auch schon eine Idee.

Sie sind nicht nur als Schauspielerin erfolgreich, sondern nehmen Hörbücher auf, gehen auf Lesereisen, singen Chansons, haben letztes Jahr ein Buch herausgebracht. Wann machen Sie mal Pause?

Ich genieße das, was ich mache. Ich liebe meinen Beruf. Aber im vergangenen Jahr war es wirklich etwas viel. Da habe ich gemerkt, dass ich an meine Grenzen komme. Deshalb hatte ich jetzt erst eine längere Pause und versuche nun, regelmäßig zwischendurch mal zwei, drei Wochen auszusetzen. Ich habe ein kleines Haus im Wald, dort komme ich zur Ruhe. Da pflanze ich dann Blumen und wühle in der Erde.