Muriel Baumeister

Mitten im Leben

Muriel Baumeister scheint angekommen zu sein - privat und beruflich

Viel zu spät betritt sie das Café. Blickt sich suchend um, den Kopf noch halb unter einer Kapuze versteckt, die sie vor dem Regen an diesem Morgen schützen soll. Schließlich entdeckt Muriel Baumeister den Tisch, lächelt - und verliert sich gleich darauf in Entschuldigungen. Die Tochter wollte zur Schule gebracht werden, die Dreharbeiten mit Götz George für dessen neues Doku-Drama hätten bis in die Nacht gedauert. Und jetzt brauche sie dringend etwas zu essen, das Catering am Set gestern sei furchtbar gewesen.

Wenn Muriel Baumeister anfängt zu erzählen, fällt es schwer, sie aufzuhalten. Und eigentlich möchte man es gar nicht. So erfrischend und natürlich ist es, wie die Schauspielerin von einem Punkt zum nächsten stürzt und dabei dennoch nicht vergisst, ihr Gegenüber mitzureißen. Der "Spreewaldkrimi" im ZDF ist Anlass des Treffens.In der Episode "Eine tödliche Legende" (am heutigen Montag, 20.15 Uhr) spielt die 40-jährige Wahlberlinerin eine Frau, die den Tod ihres Vaters aufklären möchte. Es seien besondere Filme, sagt sie. "Das liegt zum einen an den Geschichten, aber vor allem an der Kulisse. Die verwunschene Kombination aus Wasser und Wald finde ich großartig."

Das Märchenhafte sei es, das für sie den Reiz der TV-Reihe ausmache, Sagen und Legenden faszinierten sie schon als Kind. "Nun lese ich sie meiner Tochter vor - und kann trotzdem daraus noch viel ziehen", sagt Muriel Baumeister. Vielleicht, dass es sich nicht alles aufteilen lässt, in Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse. Dass das Leben mehr einer Welle als einer Geraden gleicht. Muriel Baumeister zumindest hat ihre Erfahrungen mit den Auf und Abs gemacht. Mit 16 Jahren Jungstar in der Serie "Ein Haus in der Toskana", mit Anfang 20 das erste Kind, eine Heirat, Scheidung, neuer Partner, zweites Kind, wieder eine Trennung. Und heute? "Ich lebe nach dem Motto 'Jetzt ist jetzt'", sagt sie. "Langsam sehe ich die Sachen lockerer, versuche, alle Kraft und Intensität in den Moment zu legen." Das sei ihr Leitfaden, auch für den Beruf. "Sicher habe ich früher davon geträumt, nur für Literaturverfilmungen vor der Kamera zu stehen. Aber das zahlt nicht deine Miete." Zwei Kinder hat sie, der Sohn fast erwachsen, die Tochter sieben Jahre alt. Die bräuchten sie öfters zu Hause, nicht an irgendeinem Set, und die Mutter braucht das nicht weniger. "Meine Tochter möchte ich selbst zur Schule bringen und ich möchte auch selber Wäsche waschen. Ich bin keine Prinzessinnen-Mutter. Denn Familie ist überlebenswichtig in diesem Ego-Shooter-Job." Die Vergangenheit habe ihr gezeigt, dass der Beruf tödlich sein kann, wenn man kein Leben außerhalb davon führe. Solche Sätze sagt Muriel Baumeister ohne jede Verbitterung. Vielmehr spricht da eine Erkenntnis, die sie in den Jahren für sich akzeptieren musste.

Als ihr Vater Edwin Noël 2004 Suizid beging, belagerte die Boulevardpresse sie. Heute aber, da habe sie ihre Ruhe. "Es interessiert im Zweifel gar nicht mehr, was ich privat treibe. Das bedeutet für mich absolute Freiheit - und es hat lange genug gedauert, bis ich an diesen Punkt gelangt bin." Konsequent meidet sie rote Teppiche, Galas und Champagner-Empfänge, so gut es eben geht. Sie liebt ihren Beruf, sagt sie, nur die Begleiterscheinungen, die brauche sie nicht. Homestorys und Liebesinterviews? Nein, das überlasse sie anderen.

Und so erzählt sie, fast beiläufig nur, dass es nach den gescheiterten Beziehungen zu den Schauspielern Rainer Strecker und Pierre Besson einen neuen Partner gebe. "Ich bin absolut dankbar und glücklich. Ich habe Arbeit, zwei gesunde Kinder, Freunde und einen Mann, den ich liebe. Was will ich mehr?" Dann lächelt Muriel Baumeister, mit vielsagendem Blick. Genug Privates also, das Thema wird rasch abgehakt.

Lieber redet sie über ihr aktuelles Projekt, den Film "George", für den sie bis Mitternacht arbeiten musste. Als Mutter Götz Georges ist sie zu sehen, er wollte sie unbedingt für diese Rolle. Klar, das sei eine Herausforderung. "Ich versuche immer, es so gut zu machen wie man es kann", sagt Muriel Baumeister, ehe sie sich wieder nach draußen verabschiedet, in ihren Regenstiefeln und dem weiten Mantel. Gut will sie sein, nicht perfekt. Das wäre irgendwie auch langweilig.