Francis Fulton-Smith

Weit mehr als der Fernsehdoktor

Francis Fulton-Smith spielt bei den Berliner Festspielen den "Jedermann"

Mit dem Image ist das so eine Sache. Wer erst einmal eines verpasst bekommen hat, wird es schwerlich wieder los. Bei Francis Fulton-Smith etwa, da scheint die Sache eindeutig. Als smarter Sympathieträger gilt der Schauspieler spätestens seit "Dr. Kleist". Eine Art Gutmensch des deutschen Fernsehens, eloquent, glatt - und mit einem Namen, der der aus einem Pilcher-Film stammen könnte. Ein klarer Fall also, Schublade zu? Das wäre zu einfach.

Im Berliner Dom wird er vom 18. Oktober an seine Kritiker überraschen. Bei den diesjährigen Festspielen gibt er den "Jedermann", jene geldgierige, selbstverliebte Hauptfigur in dem Drama Hugo von Hofmannsthals, die sich vor dem göttlichen Gericht rechtfertigen muss. Eine "Ehre" sei das Rollenangebot für ihn gewesen, erzählt Francis Fulton-Smith. Eine Ehre sei es auch, mit Kollegen wie Barbara Wussow, Peter Sattmann oder André Eisermann zu spielen. Letzteren kenne er von der gemeinsamen Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule.

Vor 16 Jahren stand Fulton-Smith zuletzt auf einer Theaterbühne, nervös aber sei er nicht. "Ich habe den 'Jedermann' noch nie gesehen, gehe frisch und unbedarft da rein", sagt der 46-Jährige. Er wolle niemanden kopieren, sondern die Figur auf seine Weise prägen. Mit all ihrer Komplexität, die es ihm erlaubt, andere Facetten zu zeigen - wobei er selbst sich ohnehin nie als "Good Guy" gesehen habe. Zu Recht, konnte er doch in Dramen wie "Die Gustloff" seine Wandelbarkeit beweisen.

Vielleicht ist sein Ruf auch bloß dem Umstand geschuldet, dass Francis Fulton-Smith mit seinem Privatleben kaum die Schlagzeilen bestimmt. Mit seiner Frau, der Schauspielerin Verena Klein, und den zwei Töchtern lebt er in München, die dortige Bussi-Bussi-Gesellschaft jedoch reizt ihn nicht. "Meine Berufswelt hat viel mit Illusionen zu tun. Da ziehe ich mich weitestgehend raus. Durch mein Elternhaus bin ich sehr geerdet." Seine Mutter arbeitete als Fremdsprachenkorrespondentin, dem Vater, einem Jazzmusiker, verdankt er dazu seinen britischen Pass.

Doch aller Bodenhaftung und Bescheidenheit zum Trotz: Francis Fulton-Smith weiß um das, was den "Jedermann" umtreibt, weil er selbst es erst vor einigen Jahren "abgestreift" habe, wie er sagt. Er musste genauso lernen, Prioritäten im Leben zu setzen, abseits von Geld und Ruhm. "Die Parameter verschieben sich, spätestens wenn man Kinder hat. Ich bin erwachsen geworden, im positiven Sinn." Deshalb sei es eine Bestätigung seines eingeschlagenen Weges, die Figur zu spielen und weniger die Erkenntnis, "was ich alles falsch gemacht habe". Francis Fulton-Smith, das wird im Gespräch deutlich, fühlt sich angekommen. Als Familienvater und als Schauspieler, der auf der Bühne präsent ist und weniger auf Partys. Wer ihn dafür in eine Schublade stecken möchte, sagt er, könne das natürlich. Allerdings solle man ihm eines zugestehen - dass sein Schrank mehrere hat.