Astor Film Lounge

Gelebte Geschichte

In der Astor Film Lounge feierte der Zweiteiler "Der Turm" Premiere

Tausend Seiten füllen dieses Zeitzeugnis. Jede für sich kunstvoll konstruiert und gleichzeitig derart gebrochen erzählt, dass sich auf keine verzichten lässt. Mit "Der Turm" hat Uwe Tellkamp vor vier Jahren nicht nur einen Bestseller geschrieben, sondern auch ein Opus geschaffen, das als unverfilmbar galt. Nun hat es trotzdem einer gemacht. Regisseur Christian Schwochow, erst 34 Jahre alt, wagte sich für die ARD an den Stoff - und interpretierte die Geschichte um die mit dem System der DDR hadernde Dresdner Familie Hoffmann neu. Am 3. und 4. Oktober wird das Ergebnis im Fernsehen zu sehen sein, am Freitagabend wurde in der Astor Film Lounge am Kurfürstendamm Premiere gefeiert. Mit all jenen Schauspielern, die für das ehrgeizige Projekt gewonnen werden konnten. Jan Josef Liefers, der mit Frau Anna Loos über den Teppich lief, ist in der Hauptrolle als Arzt Richard Hoffmann zu sehen. Gleich acht Mal, erzählte der Schauspieler, habe er den "Turm" zu Weihnachten geschenkt bekommen. Was ihn jedoch mehr prädestiniert, das Gefühl zwischen Perspektivlosigkeit und Alltagssorgen glaubwürdig zu verkörpern, ist seine Herkunft. Er wuchs in Dresden auf, genauso wie Claudia Michelsen, die an seiner Seite spielt. Weitere Darsteller wie Götz Schubert und Peter Sodann haben ebenfalls persönliche Erinnerungen an die DDR. Sodann saß als junger Mann neun Monate im Stasi-Gefängnis.

"Ich kann gut nachvollziehen, wie sich meine Figur fühlte", sagteNadja Uhl, in Ost-Berlin groß geworden. "Auch ich hatte immer meinen eigenen Kopf." Ausbrechen wollte sie, aus den politischen Konventionen, in Freiheit leben. Aufgrund dieser Erfahrungen sei ihr wichtig, dass ihre zwei Töchter die Welt entdecken. Und der Film könne vielleicht dabei helfen, ihren Kindern ihre Jugend in der DDR zu erklären. Das größte Lob erhielten die Macher aber vom Autor. "Ich gebe zu", sagte Uwe Tellkamp, "dass gewisse Motive, die der Drehbuchautor hat, mir zum Teil schon besser gefallen als das, was mir so eingefallen ist."