Fernsehen

Blick in die Abgründe der Seele

Samuel Finzi ermittelt freitags im ZDF erneut als genialer, aber auch arroganter Psychologe Vince Flemming

Sofort gefunkt hat es nicht zwischen ihnen. Sicher, ein brillanter Psychologe war er schon damals, dieser Flemming. Aber auch ein arroganter Besserwisser, ein Frauenheld. Samuel Finzi hatte keine allzu gute Meinung von seinem Alter Ego - und das war durchaus von Vorteil. "Ich muss mich meinen Figuren anfangs immer mit einer gewissen Respektlosigkeit nähern, damit ich sie besser prägen kann."

Das ist ihm gelungen: Reifer, selbstironischer, weniger nervig ist nun jener Polizeipsychologe Flemming, der in acht neuen Folgen der dritten Staffel (freitags, 21.15 Uhr) in jeder Mimik, jeder Geste liest. Nein, sagt der 46-Jährige, bevor überhaupt die Frage gestellt werden konnte, er versuche nicht, in die Gedankenwelt seines Gegenübers einzudringen. Scheut überhaupt Vergleiche zwischen Finzi und Flemming und räumt dann doch ein: "Natürlich beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema Psychologe. Ich habe persönlich sehr viel darüber durch die Arbeit gelernt." Erschreckt, aber gleichermaßen fasziniert sei er über die enorme Wandlungsfähigkeit der menschlichen Seele, ihre ungeahnten Abgründe. In seinem Fall bieten sie Stoff für eine Krimiserie, die aus der Feder Gregor Edelmanns stammt - Erfolgsautor der Reihe "Der letzte Zeuge".

Ein "Geschenk" sei das Angebot der Produzenten gewesen, sagt Samuel Finzi. Nicht nur aufgrund des sperrigen Charakters, den er spielen darf. Nein, vielmehr kann er als Vince Flemming das ausleben, was den Kern seines Berufes ausmacht: die Sicht- und Handlungsweise eines anderen zu adaptieren. "Ich mag es, Menschen zu beobachten, wundere mich dabei häufig über das Leben und was es aus einem macht. Das gilt auch für mich." Vor 20 Jahren etwa, da hätte er nicht gedacht, einmal in einem Café zu sitzen und über eine Serienrolle im ZDF zu sprechen. 1989 verließ er Bulgarien gen Berlin, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Und ohne seinen Vater, der in der Heimat als Schauspieler größte Popularität genießt.

"Er war anfangs ein bisschen besorgt, als ich Schauspieler werden wollte. Gerade weil er kein Unbekannter ist. Man weiß ja, wie schwer es sein kann, in Fußstapfen zu treten. Auch deshalb bin ich nach Berlin gekommen." Mittlerweile muss er keinen Vergleich mehr scheuen, ist gut ausgelastet. Gerade dreht er für Til Schweigers "Kokowääh 2". Trotzdem, sagt er, zweifle er täglich. Warum das so sei? Finzi zuckt mit den Schultern. Flemming hätte die Antwort wohl gewusst.