Elisa Schmidt

Ein neues Fräuleinwunder

Die Berliner Sängerin Schmidt begleitet Sir Elton John auf seiner Tour durch Australien

Das Spiel mit Gegensätzen beherrscht sie perfekt. Lässige Souveränität trifft da auf mädchenhaften Lolita-Charme, Selbstbewusstsein auf Verletzlichkeit. Natürliche Eleganz auf künstliche Wimpern. Nur bei ihrem Künstlernamen bleibt kein Raum für Interpretationen. Schmidt nennt sich die 22-jährige Sängerin, als Elisa Schmidt in Koblenz geboren und mittlerweile in Berlin zu Hause. Einfach nur Schmidt. Dem britischen Produzenten Guy Chambers verdankt sie das. Er rief sie während der Arbeiten an ihrem Debütalbum "Femme Schmidt" in London konsequent beim Nachnamen, vermutlich inspiriert von ihrer deutschen Herkunft, wie sie sagt. Sie blieb dabei. Nicht nur Guy Chambers, immerhin langjähriger Mann hinter dem Welterfolg Robbie Williams, begeisterte Schmidt mit ihrer rauchigen Stimme auf Anhieb. Vor einigen Monaten spielte sie in Los Angeles auf einem Empfang, bei dem der Manager Elton Johns zu den Gästen gehörte. Direkt nach dem Auftritt kam er mit einem Angebot auf sie zu - sie nahm es an, ohne zu zögern.

So geht sie, die Debütantin, im November direkt mit einem der Größten seines Fachs auf Tour durch Australien. Singt dort vor Zehntausenden, während sie einen Monat zuvor in Deutschland in Clubs wie der "Bar Tausend" in Berlin-Mitte ihre musikalische Mischung aus Jazz, New Burlesque und Cabaret präsentiert. Mal mit kräftiger, voller Stimme, mal nur zart gehaucht. Sicherlich, sagt sie und streicht dabei eine ihrer sorgfältig auftoupierten Strähnen aus dem Gesicht, sei sie aufgeregt. Allerdings: "In kleinen Clubs kann es viel schwerer sein, die Menschen zu erreichen." Sätze wie diesen sagt sie viele. Weil sie passen zu der jungen Frau, die etwas zu reif scheint für ihr Alter und so anders ist, als all die anderen, die gerade die Charts anführen. Schmidt ist nicht schrill und laut, Schmidt ist gelassener, mondäner. Sie lächelt, ganz leicht nur, wenn sie drauf angesprochen wird. "In Schmidt stecken 90 Prozent Schmidt. Das ist keine andere Person." Mit ihren Liedern, eine Reminiszenz an die Ära der Berliner Cabarets in den Goldenen Zwanzigern, wolle sie kein Image bedienen. Die Liedtexte um die großen Themen des Lebens - Liebe, Leid und Lust - seien autobiografisch. Auch wenn das bei einer gerade erst Erwachsenen durchaus befremdlich klingt und fast ein wenig einstudiert.

In London, wo sie mit 16 Jahren bis zu ihrem Abitur ein Musikinternat besuchte, verliebte sich die Chanteuse, aufgewachsen mit Elektropop, Smartphones und Facebook, in die Musik der Vergangenheit. Abends streifte sie durch jene Bars und Clubs, in denen einst Ella Fitzgerald und Jimi Hendrix sangen. "Ich habe eine nostalgische Ader, mich fasziniert vor allem das Lebensgefühl der 20er-Jahre." Damals, so Schmidt, hätten die Menschen mehr Zeit gehabt, sich zu finden. "Heutzutage gibt es diese Schonphasen nicht mehr. Du musst nach der Schule direkt wissen, wo du dich in fünf Jahren siehst." Das mag stimmen, bei ihr selbst dürften die Zweifel aber geringer ausgefallen sein. Schließlich wollte sie doch immer nur eines: auf der Bühne stehen. Und das ist ihr eindrucksvoll gelungen.