Ladies Lunch

Die Mischung macht's

Beim zweiten Ladies Lunch diskutieren die Teilnehmerinnen aus der Berliner Hotel- und Gastrobranche über die Jobchancen für Frauen

Es ist die Vielfalt, die diese Stadt auszeichnet. Neue Konzepte, ungewöhnliche Standorte und besondere Restaurants erhöhen die Attraktivität Berlins nicht nur für Touristen. In ganz verschiedenen Bereichen arbeiten auch die Teilnehmerinnen des zweiten Ladies Lunch, zu dem die Gesellschaftsredaktion der Berliner Morgenpost am Dienstagmittag in den Journalistenclub des Axel-Springer-Hauses geladen hatte. Von Hoteldirektion bis Genusskommunikation reichen die Betätigungsfelder der Frauen, die dabei eines eint: Leidenschaft für ihren Beruf. Sicherlich eine Grundvoraussetzung für die Arbeit in Hotellerie und Gastronomie, die für Frauen in Führungspositionen eine Herausforderung darstellt. Bis heute gilt die Branche schließlich als Männerdomäne, speziell in der Küche. Zwölf Sterneköche gibt es derzeit in Berlin, darunter findet sich keine Frau. Auf dem besten Weg zu ihrem ersten Stern ist immerhin Sonja Frühsammer. 2008 wurde sie zur "Aufsteigerin des Jahres" gekürt, ihr Restaurant Frühsammers, das sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem einstigen Sternekoch Peter Frühsammer in Grunewald führt, ist mit 16 Punkten im Gault Millau ausgezeichnet. Dass sie nun die Küchenchefin ist, sei für ihren Mann kein Problem. "Er ist meine wichtigste Instanz, hat mich unterstützt und tut es jeden Tag." Der Ton in den Küchen sei natürlich häufig rauer, daran müsse man sich als Frau gewöhnen.

"Wer gut ist, setzt sich durch", sagt auch Tina Brack, Direktorin des Hotel Ellington an der Nürnberger Straße und seit knapp einem Jahr Mutter eines Kindes. Allerdings sei der Blick in die Spitzen der großen Berliner Häuser ernüchternd, weil sich kaum Frauen darunter befänden. Das Gefühl, mehr als ihre männlichen Kollegen leisten zu müssen, habe sie jedoch nicht. "Wir Frauen ticken einfach anders. Und vielleicht unterschätzen wir uns manchmal." Genau das könne aber eine Stärke sein, sagt Marion Wiese. Die Kommunikationswirtin leitet mit ihrem Mann die PR-Agentur Wiese Genusskommunikation, die sich auf Kunden aus der Gastronomie spezialisiert hat. "Sich zurücknehmen zu können, kann klar von Vorteil sein. So haben wir etwas mehr Distanz zu den Dingen." Dem stimmte Birgitt Ullerich, Chefin des Kempinski Hotels am Kudamm, zu. "Ich arbeite mit Männern und Frauen gleichermaßen gern zusammen. Ich stelle nach Qualifikation ein, nicht nach Geschlecht." Sie sehe sich in der Verantwortung, flexible Arbeitszeiten für Mütter zu schaffen, genau daran scheitere manche Karriere in der Branche. Bei Maria Sheridan, Restaurantleiterin im Borchardt, ist das kein Problem gewesen. Sie kehrt im Oktober nach einjähriger Elternzeit zurück in den Betrieb. Am Anfang ihrer Tätigkeit sei sie durchaus auf die Probe gestellt worden. "Ich hatte dabei aber nie das Gefühl, dass es ein Handicap ist, eine Frau zu sein. Da war mehr mein Alter, 27 Jahre damals, ein Problem."

Ähnlich ging es Luisa Mehlhose, die als Sake-Sommelière im Restaurant Vox des Hotel Hyatt am Potsdamer Platz tätig ist. "Ich arbeite im Betrieb nun bereits seit neun Jahren. Gerade zu Beginn gab es Situationen, in denen ich gemerkt habe, nicht ernst genommen zu werden." Mittlerweile verhalte sich das anders, nicht zuletzt weil sie als Sommelière für sich eine Nische gefunden hat, die ein Expertenwissen voraussetzt. Lucie Babinska, stellvertretende Restaurantleiterin bei Sternekoch Marco Müller im Rutz, beobachtet es häufiger, dass Frauen meinen, sie müssten sich mehr beweisen. "Aber einen großen Teil des Drucks machen sie sich selbst. Im Grunde ergänzen sich Männer und Frauen doch ganz gut." Es kommt eben auf die Mischung an. Wie so oft im Leben.