Deutscher Schauspielnachwuchs

Goldene Generation

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Caroline Rudelt

Der deutsche Schauspielnachwuchs ist in Hollywood beliebt wie nie

Es braucht nicht viel, um Sehnsüchte zu wecken. Meist reicht ein Wort, das einem Versprechen gleicht - Hollywood. Jener Stadtteil der Superlative, mit den besten Filmen, den größten Stars, dem meisten Glamour. So zumindest das Selbstverständnis dieser Kinometropole, die mancher Krise zum Trotz ein Traum für Schauspieler bleibt. Ein Traum von der Traumfabrik, den auch deutsche Darsteller teilen. In den vergangenen Jahrzehnten machten sich einige von ihnen auf, um die amerikanische Filmwelt zu erobern. Thomas Kretschmann etwa, der 2002 in "Der Pianist" den Durchbruch schaffte - aber in den USA doch in der zweiten Reihe blieb. Martina Gedeck, die einen Kurzauftritt an der Seite von Robert De Niro in "Der gute Hirte" hatte oder der junge David Kross, der neben Kate Winslet in "Der Vorleser" mit einer Leichtigkeit spielte, die Kritiker weltweit verblüffte.

Allerdings waren es meist vereinzelte deutsche Namen, die es zu verkünden gab. In den vergangenen Tagen jedoch mehrten sich die Meldungen von Hollywoodausflügen deutscher Schauspieler. Elyas M'Barek, Star aus "Türkisch für Anfänger", spielt nun in dem Fantasy-Epos "The Mortal Instruments - Chroniken der Unterwelt". Gleich die Hauptrolle konnte sich Hannah Herzsprung in der US-Serie "H+" sichern. Und während Moritz Bleibtreu derzeit bereits in "360" mit Jude Law auf der Leinwand zu sehen ist, kommt Daniel Brühl als Formel-1-Legende Niki Lauda erst im nächsten Jahr ins Kino. Produziert wird sein Film zwar nicht in Hollywood, dafür von dem durch Werke wie "A Beautiful Mind" populär gewordenen US-Regisseur Ron Howard gedreht.

Die deutsche Exportschwemme mag auf den ersten Blick überraschen - für den Berliner Erfolgsproduzenten Nico Hofmann ("teamWorx") ist sie nur konsequent. "Es gab sicher schon immer deutsche Talente, die es nach Hollywood geschafft haben. Franka Potente ist da so ein Beispiel. Christoph Waltz und Sebastian Koch natürlich, der momentan mit Bruce Willis dreht", sagt er. Die jetzige Generation an Schauspielern sei aber "atemberaubend". "Eine Hannah Herzsprung steht völlig zu Recht da, wo sie jetzt ist. Auch von einem internationalen Erfolg Ken Dukens und Alexander Fehlings bin ich überzeugt. Sie werden schon jetzt im Ausland gefeiert, das nimmt man hierzulande häufig gar nicht wahr." Tatsächlich war der in Berlin lebende Duken bereits in mehr als 70 Filmen zu sehen - über die Hälfte davon drehte er im Ausland.

Um in Hollywood Fuß fassen zu können, reiche es nicht, auf seine nationale Prominenz zu setzen, erzählt Nico Hofmann. "Es ist ein Zusammenprall von mehreren Faktoren: das Quäntchen Glück, Können und die richtige Regie. Wichtig ist aber auch ein klares Rollenprofil. Das hat man bei Christoph Waltz gesehen, bei Sebastian Koch genauso." Ihn selbst reize ein Wechsel nach Los Angeles allerdings nicht. "Ich bin wirklich extrem glücklich in Deutschland, mich zieht es überhaupt nicht ins Ausland", so Hofmann. Schließlich könne er alles machen, habe viele Freiheiten und arbeite häufig mit internationalen Stars zusammen. Momentan produziert er mit Wolf Bauer die Bestsellerverfilmung "Der Medicus". Dafür konnte er Sir Ben Kingsley verpflichten, eine Größe in der Branche. Denn der Brite besitzt etwas, von dem der deutsche Nachwuchs in der Traumfabrik bisher nur träumen kann: einen Oscar.