Fernsehen

Hinterm Horizont hervor

Die Berliner Musical-Darstellerin Josephin Busch spielt im ARD-Zweiteiler "Der Turm" mit

Anfänglich wollte sie gar nicht hingehen. Zu diesem Casting, bei dem die Hauptrolle für ein Musical vergeben werden sollte. Josephin Busch hielt damals nicht viel davon, von all diesen bunten Tanzshows mit ihren poppig-klassischen Tönen. Schließlich waren es die Geschichte und die Musik, die sie vor rund zwei Jahren überzeugten, sich die Sache zumindest einmal näher anzuschauen. Es sollte sich lohnen. Seit ihrem ersten Auftritt als Jessy in dem Musical "Hinterm Horizont" im Theater am Potsdamer Platz hat sich viel getan in ihrem Leben. Sie selbst bezeichnet es als "Wendepunkt". Die 25-Jährige lernte dadurch Panikrocker Udo Lindenberg kennen, von dem die Musik stammt. Er nahm sie auf in seinen legendären "Lindi-Clan", sie durfte ihn auf seiner Tournee durch Deutschland begleiten. Und nicht nur ihn konnte dieses Mädchen aus Ost-Berlin, das tatsächlich in Pankow geboren wurde und bis heute in dem Bezirk, ihrer "absoluten Heimat", lebt, begeistern. Produzent Nico Hofmann war offenbar ebenfalls überzeugt von ihrem Talent: Sie spielt in seinem ARD-Zweiteiler "Der Turm" an der Seite von Schauspielgrößen wie Jan Josef Liefers und Nadja Uhl. Und dann ist da noch ein erstes Album, an dem sie momentan gemeinsam mit zwei Freunden arbeitet.

"Viel Freizeit bleibt gerade nicht", sagt Josephin Busch - und klingt dabei in keiner Weise so, als ob es sie groß stören würde. Warum auch, ist es doch genau das, wo sie hinwollte. Auf die Bühne, vor die Kamera, als Schülerin schon, als sie im Amateurtheater mitwirkte. "Jetzt habe ich die Energie, jetzt will ich durchstarten", sagt sie. Mit einem Nachdruck in der Stimme, der kaum daran zweifeln lässt. Sie ist dankbar für die Chancen, die sich ihr durch das Engagement bei "Hinterm Horizont" eröffneten - selbst, wenn zunächst etwas Angst dabei gewesen sei, als Musicaldarstellerin "einen Stempel aufgedrückt" zu bekommen. "Aber das hier ist ein besonderes Musical." Weil es eine geschichtliche Dekade wiedergebe, die Millionen Menschen betroffen habe. Auch sie, mit ihrem "Rest Osten im Blut", wie sie es nennt. "Das Stück erfüllt mich. Selbst nach 500 und mehr Wiederholungen habe ich Udos Songs nicht über." Überhaupt, der Udo. Längst sei er ein Ratgeber, ein väterlicher Freund. Wenn sie ein neues Lied aufnimmt für ihr Album, dann fragt sie ihn. Wie er ihre Darstellung in "Der Turm" findet, das möchte sie wissen. Und auch, wie es sich so lebt als großer Künstler, mit all dem Ruhm, der nur allzu schnell verblassen kann. "Er ist da so etwas wie ein Vorbild", sagt sie. "Denn selbst bei ihm gab es mal Phasen, wo weit weniger von ihm zu hören war." Sie selbst ist davon noch entfernt. Von dem ganz großen Rummel um ihre Person wie von dem ganz tiefen Fall. Trotzdem, ein "bisschen Bammel" habe sie davor, was nach dem Musical wohl kommen mag. Ob sie den Sprung zum Film dann tatsächlich schaffen könne. "Andererseits musst du als Künstler damit rechnen, dass der Erfolg abbricht." Etwas anderes wolle sie ohnehin nicht machen. Und an einen Abschied vom Musical sei jetzt nicht zu denken. Allerdings: Wenn das Stück Berlin verlassen muss, irgendwo in der Republik spielt, dann sei das vielleicht ein Zeitpunkt, an dem sie ihr Engagement beenden würde. Denn für Josephin Busch gehört es einfach an jenen Ort, von dem es handelt. Mit einem echten Mädchen aus Ost-Berlin.