Bayreuth

Lasset die Spiele beginnen

Prominente Gäste feiern die Eröffnung am Grünen Hügel in Bayreuth

Es war die unglaubliche Hitze, die den Herren in ihren Smokings zusetzte. Die meisten trauten sich trotzdem erst im Saal, ihr Jackett auszuziehen - sobald das Licht erlosch. Die Damen dagegen konnten sich entspannt in ihren Cocktailkleidern sonnen. Allerdings nur vor und nach der Oper, denn der "Fliegende Holländer" ist neben dem "Rheingold" das einzige Stück im Festspielrepertoire, das kurz genug ist, um ohne Pause gespielt zu werden. Beschweren aber wollte sich keiner der prominenten Gäste - schließlich ist nur einmal im Jahr Wagner-Zeit in Bayreuth.

Und so waren es erneut eindrucksvolle Namen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich zur Eröffnung der Festspiele am Mittwochabend zum roten Teppich vor dem Grünen Hügel fahren ließen. Nicht fehlen durfte Bundeskanzlerin Angela Merkel, gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sauer, die als großer Fan des Klassikereignisses gilt. In einem gerafften Abendkleid, zu dem sie Seidensöckchen trug, schrieb sie gut gelaunt Autogramme. Neben US-Botschafter Philip D. Murphy war auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler aus Berlin angereist, an seiner Seite glänzte Ehefrau Wiebke im klassischen Rot. Auf reichlich Pailletten setzte Schauspielerin Veronica Ferres, während Caroline Godet, Ehefrau von Erol Sander, genauso wie Maria Theresia von Thurn und Taxis als eine der wenigen Damen Bein zeigte. Ungewöhnlich und sehr entspannt: Nike Wagner entledigte sich zeitweise ihrer Schuhe, lief auf Socken über den Vorplatz.

Der spannendste Klatsch wurde allerdings vor Beginn der Vorstellung geliefert: Evgeny Nikitin, als Sänger für die Titelpartie vorgesehen, sagte auf Druck der Festspielleitung seine Auftritte ab. Der tätowierte Nikitin trägt altgermanische Runen auf der Brust, auf älteren Bildern ist er mit einem Hakenkreuz-Tattoo zu sehen. Ob sein Abgang verhältnismäßig war oder nicht, darüber waren die Gäste an diesem Premierentag geteilter Meinung. Verpassen wollte Bayreuth jedoch keiner - daran konnte auch die Hitze nichts ändern.