Kunst

Am Schminktisch von Schinkel

Maren Eggert posiert für eine Modestrecke in einer Berliner Wohnung

Man verliert sich schnell in diesen Räumen. In jedem Winkel hängt, steht oder liegt gelebte Geschichte. 170 Quadratmeter, prall gefüllt. Mit Meissner Porzellan aus dem 18. Jahrhundert, einem Schminktisch von Karl Friedrich Schinkel aus dem Besitz des preußischen Königshauses. Oder dem Biedermeiersofa mit seinen vielen Kissen, auf dem in den späten 70er-Jahren schon Günter Grass Platz genommen hat, um über die Lage in Ost- und West-Berlin zu referieren. Diese Wohnung, an der belebten Torstraße gelegen, überflutet den Besucher geradezu mit Eindrücken, mit ihren Accessoires, Gemälden und Gegenständen aus den vergangenen Jahrhunderten. Ein Ost-Berliner Ärztepaar richtete das Apartment einst als seinen persönlichen, ästhetischen Protest gegen den uniformen DDR-Stil ein. 1977 zogen die beiden Männer in die Wohnung, übernahmen sie damals von Schauspielerin Eva-Maria Hagen und ihrer Tochter Nina und renovierten sie von Grund auf.

Es war dabei vor allem die Angst vor der Stasi, die sie sämtliche Tapeten wie Leisten abtragen ließen. Wanzen fanden sie zwar keine - dafür verwandelten sie den Altbau in ein buntes Sammelsurium, das bis heute im Kontrast zu seiner mittlerweile durchgestylten Umgebung und einem neuen Mitte-Schick steht.

Nun nutzte die Zeitschrift "Brigitte" für ihre aktuelle Ausgabe, die am heutigen Mittwoch erscheint, dieses Miniaturmuseum für eine Modestrecke. Als Model stand dafür Schauspielerin Maren Eggert in für die Umgebung angemessenen Kreationen vor der Kamera. Art Déco trifft auf Hahnentritt, knalliger Ethno-Mix auf 20er-Jahre-Jäckchen. "Ich habe großen Spaß an Modeshootings. Ich schlüpfe in die Kleider und spiele die Rolle, die dazu passt", sagt Maren Eggert. Die 38-Jährige, einst als Kieler "Tatort"-Psychologin an der Seite von Axel Milberg zu sehen, ist seit 2009 festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Berlin. Sie lebt mit ihrem Mann, Schauspielkollege Peter Jordan, in Prenzlauer Berg. Und so faszinierend sie die Arbeit in den mit Antiquitäten zugestellten Zimmern fand - sie selbst bevorzugt eine schlichte Einrichtung. "Ich habe gerne wenige Möbel und einfache Linien. Obwohl ich die kräftigen bunten Farben schön finde", erzählt sie. Besonders in ihrem unsteten Beruf sei ihr das eigene Zuhause sehr wichtig. "Wenn ich viel arbeite oder unterwegs bin, fällt alles tonnenschwer ab, sobald ich die Tür hinter mir zuziehe", sagt Maren Eggert. Einmal habe sie sich in ihrer Wohnung fotografieren lassen - würde es erneut allerdings nicht tun. "Es ist mir doch zu intim."

Die gebürtige Hamburgerin ist längst sesshaft in Berlin geworden, schätzt vor allem die Seenlandschaft im Nordwesten. Ihr persönlicher Lieblingsplatz aber ist ihr Balkon. Auch wenn er sicher weniger zu erzählen hat als jene ungewöhnliche Wohnung an der Torstraße. Diesem bunten Teil der deutsch-deutschen Geschichte, mitten in Berlin.