Otto Waalkes

Chronisch optimistisch

Komiker Otto Waalkes leiht in "Ice Age 4" dem Faultier Sid seine Stimme - und glaubt wie seine Figur immer an das Gute

Er ist hellwach. Seine Augen verraten es. Sie taxieren das Gegenüber, warten auf diesen einen Moment, in dem er zuschlagen kann. Mit einer im Sekundentakt abgefeuerten Tirade an witzelnden Sprüchen. Und wenn sein Gesprächspartner lacht, ist der kleine Mann mit der auffälligen Nase, die zippeligen Haare unter einer Kappe versteckt, in seinem Element. Dann wirkt Otto Waalkes wie ein glückliches Kind - trotz der Falten, die sich beim Erzählen bilden und von seinen 63 Jahren zeugen. Für den Komiker ist das Leben eine Bühne. Nicht immer, nein, aber in jenen Augenblicken, in denen er in der Öffentlichkeit steht, in denen er Publikum hat.

So wie an diesem Tag in Berlin, wo er zum Deutschlandstart des Kinofilms "Ice Age 4 - Voll verschoben" am 2. Juli Interviews gibt. Er leiht wieder einmal dem sympathischen Faultier Sid seine Stimme, lispelt sich in bester Otto-Manier durch das Zeichentrickabenteuer. Er habe diese Rolle lieb gewonnen, sagt Otto Waalkes. Weil ihm das Wesen an Sid gefalle. "Mit all seinem Grundoptimismus. Mit seiner Art, nicht nur das offensichtlich Gute im Menschen zu sehen, sondern auch das Verborgene zu entdecken." Ja, er sei selbst ein chronischer Optimist. Immer schon gewesen. Einer, der aus jedem Umstand versuche, das Beste zu machen.

Das ist ihm, dem Sohn eines Malermeisters aus dem Emdener Arbeiterviertel Transvaal, offenbar gut gelungen. Hat ihn nach ganz oben geführt, wo er sich seit nun fast 40 Jahren behauptet. Obwohl oder vielleicht gerade weil er eigentlich der Gleiche geblieben ist. Ein kauziger Ostfriese mit schneller Zunge und launigen Gags - der seine politisch versierte Ironie aus der Anfangszeit nie ganz abgelegt hat. "Ich bin Alleinunterhalter: Liedermacher, Parodist, Märchenonkel, was Sie wollen. Aber deswegen muss ich nicht mit einem Dauergrinsen durchs Leben gehen." Dabei grinst er oft an diesem Tag, vor allem, wenn ihm eine Frage nicht passt. Da erweist er sich als Meister der Flucht in eine seiner legendären Nummern, die er nach all den Jahren im Schlaf beherrscht.

"Kann sein, dass Humor auf eine Art auch ein Schutz ist. Vor allem jedoch eine radikale Weltanschauung", sagt er. Und: "Das Klischee vom traurigen Clown erfülle ich nicht." Jedoch lässt er nur selten den Menschen hinter dem Komiker durchblitzen. Über sein Privatleben spricht Otto Waalkes ungern. Seine Trennung von seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Eva Hassmann, blieb bereits im vergangenen Jahr weitestgehend unkommentiert. Dafür erzählt er von seinem Sohn aus erster Ehe, Benjamin, mittlerweile Mitte 20, den es nicht auf die Bühne gezogen habe. "Der macht lieber Sport." Oder über seine langjährigen Weggefährten wie Marius Müller-Westernhagen oder Udo Lindenberg, mit denen er einst in Hamburg ein Haus teilte. "Es ist schwer, in meinem Job echte Freunde zu finden. Aber wenn du sie hast, dann bleiben sie es. Alles eine Vertrauensfrage."

Ähnlich verhält sich das wohl mit seiner Karriere. Sein Publikum ist mit ihm gealtert - und doch ist es jünger geworden. Die "Ice Age"-Reihe machte Otto Waalkes bei den Jüngsten populär. Nein, ans Aufhören denke er noch lange nicht. "Solange das erfolgreich ist, was ich mache." Trotzdem habe er vor jedem Auftritt Lampenfieber. Und Angst. Angst davor, eben nicht mehr erfolgreich zu sein. "Die ist mein ständiger Begleiter. Das ist die treibende Kraft." In diesen kurzen Momenten wird er ernst, der Komiker tritt in den Hintergrund. Dann grinst Otto Waalkes nicht - er lächelt.