Schauspielerin

Die Unbekannte mit den vielen Gesichtern

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Tina Molin

Lisa Maria Potthoff wirkte in rund 60 Filmen mit, am Mittwoch ist sie in "Bloch" zu sehen

Aus Lisa Maria Potthoff schlau zu werden, ist nicht so einfach. Die 33-jährige Schauspielerin besitzt viele unterschiedliche Gesichter und bleibt doch fast eine Unbekannte. Wer sich im Internet über sie kundig machen will, stellt erst einmal fest, dass sie gar keine eigene Webseite hat. "Die müsste ich ja pflegen", erklärt sie lachend, fügt dann aber hinzu, sie bräuchte manchmal länger, um den Sinn mancher Dinge zu begreifen. "Mit E-Mails habe ich auch erst vor sechs Jahren angefangen. Ich dachte immer, das Fax-Gerät tut es auch."

Diese eigenwillige Sicht legt Potthoff, die sich als bodenständig bezeichnet, bei vielen Dingen an den Tag. So hütet sie ihr Privatleben wie ein Drache seinen Goldschatz. Dass ihr Mann TV-Journalist und ihre Tochter drei Jahre alt sei, verrät sie, doch der Name ihrer Liebsten bleibt ihr Geheimnis. Auch der rote Teppich ist kein Terrain, das sie intensiv pflegt. "Ich muss nicht auf jedem Champagner-Event stehen", sagt die Berlinerin. So bleibt sie - ohne Webseite und Blitzlichtstakkato - medial eher eine Unbekannte, obwohl sie mittels Film und Fernsehen mittlerweile ein Dauergast auf dem Bildschirm in deutschen Wohnzimmern ist.

Schließlich verrät die zurückhaltende Schauspielerin doch noch lachend ein Geheimnis: Ihr Mann sage liebevoll, dass ihr geheimes Talent das Schimpfen sei. Auch Potthoffs Figuren sind nicht immer nett. In mehr als 60 Produktionen hat sie bereits mitgewirkt. Die schöne Unbekannte zeigt sich dabei als wandelbare Darstellerin von Preußisch bis Bayerisch. Geboren wurde Potthoff zwar in Berlin, doch aufgewachsen ist sie München. "Ich bin ein Bayer mit Migrationshintergrund", gesteht sie. Die bayerische Mundart ist jedoch durchaus keine Fremdsprache für sie. "Ich spiele gerne Rollen, die bayerisch sprechen, das formt sofort eine Figur", sagt sie in bestem Hochdeutsch, in das sie leicht wechseln kann. Auf Dauer hielt es sie jedoch nicht an der Isar. "München war zu langweilig, ich kannte jede Ecke und wollte gucken, wo ich herkomme." Mit Anfang 20 - nach der Schauspielschule - ging es nach Berlin, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt, in Prenzlauer Berg.

Ihre unterschiedlichen Rollen reichen von der lustig-bayerischen Maid bis zu Frauen, die nichts mehr zu lachen oder sich gar das Lächeln abgewöhnt haben. Im TV-Drama "Tödlicher Rausch" trinkt sich der Bruder ihrer Figur in den Tod. "Die Dreharbeiten waren Wochen am Abgrund", erinnert sie sich über die intensiven Dreharbeiten, für die sie für den Bayerischen Fernsehpreis nominiert wurde. Im Krimi "Wolfsfährte" war Lächeln sogar verboten, stattdessen klopfte sie derbe Sprüche und lernte schießen. "Ich hatte Angst, die Waffe in die Hand zu nehmen." Doch dann lernte sie, den Rückstoß abzufedern und hechtete dabei einmal quer durch die Filmstudios Babelsberg mit der Pistole in der Hand - allerdings nur zu Übungszwecken natürlich.

Nun ist sie gleich in zwei unterschiedlichen Rollen zu sehen. An "Bloch" (ARD, 20.6., 20.15 Uhr) wo sie neben Dieter Pfaff zu sehen ist, liebt sie das Kammerspielartige, doch am wohlsten fühlt sich die Vielseitige in der Komödie. "Ich suche darin stets die Tragödie", sagt sie. Von beidem gibt's ausreichend im Kinofilm "Wer's glaubt, wird selig" (Filmstart: 16. August) über Wunder, Heiligsprechung und Klimawandel mit Christian Ulmen und Hannelore Elsner.