Britische Küche

Besser als ihr Ruf

Sarah Wiener lernt die britische Küche jenseits von fettigen Fish and Chips kennen - und sogar schätzen

Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Ganz sicher nicht. Dafür waren die Vorurteile über die britische Küche zu groß. Und ihre Kenntnisse der Landessprache etwas zu gering. Sarah Wiener und England, das brauchte seine Zeit. Mittlerweile jedoch findet die Köchin warme Worte für die Inselbewohner und deren Kochkünste. "Die englische Küche ist durchwachsen, aber wesentlich besser als ihr Ruf", lautet ihr Fazit nach mehreren Monaten, in denen sie für den fünften Teil ihrer Arte-Dokureihe "Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener" klassische nationale Gerichte kennenlernen konnte.

Am Montag stellte sie in ihrem Restaurant "Speisezimmer" an der Chausseestraße in Mitte das dazugehörige Buch sowie eine DVD vor und ließ die Dreharbeiten Revue passieren. Besonders die wilde Schönheit der Landschaft habe sie überrascht - und die Mentalität der Briten. "Je exzentrischer die Menschen wurden, umso mehr mochte ich sie. Wenngleich ich manchmal sehr unsicher war, was sie wirklich von mir halten." Gefördert wurde dieser Umstand wohl durch manch sprachliche Verwirrung. "Ich spreche nicht gut Englisch", bekannte die 49 Jahre alte Österreicherin. So verwechselte sie etwa bei der Begrüßung des Londoner Starkochs Gary Rohdes , der sie in die Geheimnisse der britischen Küche einweihen wollte, kurzerhand den englischen Ausdruck für Koch, "cook", mit "cock" - was einer vulgären Beleidigung gleicht. Rohdes nahm es mit britischem Humor, Sarah Wiener konnte mit einigem Abstand ebenfalls darüber lachen. Dabei gab es auch weniger Amüsantes, was die mit dem Schauspieler Peter Lohmeyer verheiratete Fernsehköchin auf ihrer Reise erlebte. "In manchen Orten reihte sich ein Billigshop an den anderen. Die Inseln der Qualität musste man schon suchen", erzählte sie. Das sei teilweise deprimierend gewesen. Vor allem für eine wie sie, die regelmäßig und mit durchaus drastischen Worten die Nahrungsmittelindustrie anprangert. Fertigprodukte oder überzuckerte Snacks seien ihrer Meinung nach "totes Essen" und "eine Körperverletzung, die an jeder Ecke lauert". Grundsätzlich, sagt Sarah Wiener, gehe nichts über selbstgekochte Speisen. Dann könnten selbst "Fish and Chips" zum Genuss werden. Auch wenn sie selbst es anfangs am wenigsten glauben wollte.