Film

Es bleibt in der Familie

Regina und Tanja Ziegler führen gemeinsam ihre Produktionsfirma - und sind sich dabei keinesfalls immer einig

Die Zwei verstehen sich. Das wird gleich zu Beginn des Gespräches im Charlottenburger Kino Filmkunst 66 deutlich. Regina (68) und Tanja Ziegler: (45) ergänzen die Sätze der anderen, lachen viel zwischendurch. Mutter und Tochter, offensichtlich. Doch bei aller Gemeinsamkeit - die Produzentinnen sind bei der Arbeit für ihre Firma Ziegler Film durchaus mal anderer Meinung. Glücklicherweise, wie sie sagen.

Berliner Morgenpost:

Frau Ziegler, stand für Sie früh fest, in die Firma einzusteigen?

Tanja Ziegler:

Es gab Umwege. Ich wollte ursprünglich in den Kostümbereich gehen, habe jedoch schnell begriffen, dass es zwar ein toller Beruf ist. Aber nicht meiner. Und es ist ja auch gut zu wissen, was man nicht möchte.

Wie ist Ihre Arbeitsaufteilung?

Regina Ziegler:

Wir sind Gesellschafterinnen. AlsoTanja ist meine Chefin...

Tanja Ziegler:

Aber Hallo, es wird Zeit, dass du das endlich einmal sagst.

Regina Ziegler:

Sie hat 60 Prozent der Firmenanteile, ich habe 40 Prozent. Und sie sagt mir jeden MorgenWehe, du kommst ins Büro! (lacht)

Kling harmonisch.

Tanja Ziegler:

Ich freue mich immer, wenn ich meine Mutter sehe. Im Büro oder auch privat.

Regina Ziegler:

Wir sind eine gute Combo. Jeder macht seine Filme und Tanja dazu noch vieles, was in der Firma anfällt, wo ich mich gern ausklinke. Denn Konflikte scheue ich. Ich freue mich, dass sich Tanja um die Firmenabläufe kümmert.

Sind Sie die bessere Chefin?

Tanja Ziegler:

Nö, das würde ich so nicht sagen. Regina ist der Außenminister, ich der Innenminister.

Schaffen Sie sich neben Ihrer Arbeit auch private Inseln?

Tanja Ziegler:

Das ist überhaupt kein Problem. Da hilft uns meine Tochter Emma. Denn die findet das alles langweilig.

Also keine potenzielle Nachfolgerin?

Regina Ziegler:

Na, warten wir ab...

Tanja Ziegler:

Regina flüstert zwar fleißig, aber Emma möchte Forscherin und Entdeckerin werden.

Regina Ziegler:

Darüber kann man doch auch Filme drehen.

Ist es schwer, als Mutter und Tochter eine professionelle Ebene zu finden?

Regina Ziegler:

Mir war es einfach sehr wichtig, rechtzeitig meine Nachfolge zu regeln. Und als Tanja anfing, mir mit einer eigenen Firma Konkurrenz zu machen, stellte ich ihr einen Antrag. Das war vor 13 Jahren.

Tanja Ziegler:

Ich habe gesagtLass' uns das versuchen. Und in einem Jahr darüber sprechen, ob wir miteinander fröhlich sind. Da das offensichtlich der Fall war, haben wir das aber nie getan.

Regina Ziegler:

Für mich stand fest, dass Tanja von Anfang an absolute Entscheidungsfreiheit genießt. Sie hätte auch hinter meinem Rücken die Firma verkaufen können.

Tanja Ziegler:

Du bringst mich auf Ideen...

Regina Ziegler:

... es geht nur so. Bei einem Familienunternehmen muss das Vertrauen da sein. Dass wir diese Lösung gefunden haben, ist das Schönste, was mir in meinem beruflichen Leben passiert ist.

Und da war keine Angst dabei?

Regina Ziegler:

Nein. Ich habe sowieso wenig Angst. Vor anderen Dingen vielleicht. Wir kennen uns schon so lange und gut!

Tanja Ziegler:

Ich habe das erste halbe Jahr schon mal schlecht geschlafen.

Weil die Fußstapfen zu groß waren?

Tanja Ziegler:

Nein, das war nie mein Thema. Vielmehr, wie ich meinen Weg finde. Ich bin schließlich nicht Regina. Und genau das ist unser Glück. Dass wir sehr unterschiedlich sind.

Worin unterscheiden Sie sich?

Tanja Ziegler:

Bevor ich mich entscheide, schlafe ich gern eine Nacht darüber. Regina will immer alles sofort. So war es auch mit unserem Kino, Filmkunst 66.

Haben Sie von Ihrer Mutter gelernt, Kind und Karriere zu vereinen?

Tanja Ziegler:

Sicherlich. Doch ich denke, man kann es nicht vergleichen.

Regina Ziegler:

Es war eine andere Zeit. Ich war zudem eine sehr junge Mutter, Tanja dagegen...

Tanja Ziegler:

Danke, jetzt hast du mein Geheimnis verraten.

Hat Sie Ihr Enkelkind stärker verbunden?

Regina Ziegler:

Wann immer ich Emma sehe, machen wir Oma-ProgrammBacken, Eis machen, im Garten spielen.

Holen Sie damit vielleicht etwas nach?

Regina Ziegler:

Klar. Ich denke manchmal, ob ich das früher hätte anders schaffen können. Ich finde es ganz toll, wie Tanja das alles hinbekommt. Wie sie ihren Weg geht, gemeinsam mit ihrer Tochter.

Tanja Ziegler:

Jetzt bin ich gerührt. Das hast du so noch nie gesagt. Ich bin aber auch voller Bewunderung für meine Mutter. Weil ich weiterführe und weiter ausbaue, was Regina geschaffen hat. Da habe ich Respekt vor. Zumal die Zeiten nicht einfach sind.

Haben Sie zu kämpfen?

Tanja Ziegler:

An manchen Morgen fragt man sich, warum man sich das antut.

Regina Ziegler:

Aber insgesamt geben uns die Erfolge unsere Produktionen Recht. Wir werden sehr häufig im Fernsehen wiederholt - eben weil unser Publikum die Filme mag. Außerdem versuchen wir viel in Bewegung zu setzen, etwa mit internationalen Koproduktionen. Wir haben eine super Library"Die große Flatter" haben wir gerade auf DVD herausgebracht. Tanjas Film "Mutter muss weg" läuft am 6. Juli beim Münchner Filmfestival.

Tanja Ziegler:

Ein Traumtitel in dieser Konstellation. (lacht) Das ist eine schwarze Komödie mit Bastian Pastewka und Judy Winter.

Diskutieren Sie über Stoffe?

Tanja Ziegler:

Jeder macht seins.

Wofür stehen Sie denn dann gemeinsam?

Regina Ziegler:

Für die Vielfalt. Ich wollte nie in eine Schublade passen.

Hat die Krankheit Ihres Mannes Wolf Gremm (Der Regisseur ist an Krebs erkrankt, Anm. d. Red.) manches relativiert?

Regina Ziegler:

Die Prioritäten ändern sich.

Wie viel Film schauen Sie eigentlich privat?

Regina Ziegler:

Mit meinem Mann habe ich gerade nachts sechs Folgen "Mildred Pierce" am Stück gesehen. Sechs Stunden.

Tanja Ziegler:

Ihr braucht halt nicht mehr so viel Schlaf, oder?