Übers Leben

"Die Liebe ist keine Kurzgeschichte"

Mario Adorf über Beziehungen, Versuchungen und Freundschaften

Trotz seiner 81 Jahre steht Mario Adorf unermüdlich vor der Kamera. Momentan dreht der Schauspieler im oberbayerischen Antdorf die ZDF-Komödie "Das Krokodil". Er spielt darin einen Schriftsteller und Ex-Rennfahrer, der außer Angeln keine Leidenschaft mehr hat - bis er sich auf seine alten Tage noch einmal verliebt. Dann erst merkt er, wie einsam sein Leben war. Am Set sinniert der Charakterdarsteller ("Der große Bellheim") über Liebe, Alter, Vertrauen und Freundschaft.

"Die physische Liebe tritt mit den Jahren zurück. Es kommen andere Dinge. Es kommt die Vertrautheit, das Vertrauen, Freundschaft, die Gewohnheit, die liebe Gewohnheit. Das ist die Entwicklung einer Liebe im Leben", sagt Adorf, der seit 40 Jahren mit seiner Frau Monique (68) zusammen ist.

Versuchungen habe es immer wieder gegeben. Aber der Schauspieler stellt klar: "Ich sehe den Weg nicht in der Scheidung des älteren Mannes, der sich eine junge Frau nimmt. Das meine ich eben nicht. Es ist die Versuchung im Kopf, die Verführung, die eine solche Idee noch haben kann, eine jüngere Frau zu lieben. Aber ich würde sagen, es ist nicht wirklich realistisch und ratsam, diese Liebe auszuleben. Das ist zumindest meine Erfahrung."

An den Beziehungen vieler Menschen heutzutage kritisiert er deren Kurzlebigkeit. "Ich sehe immer mit Erstaunen, wie junge Menschen sich scheuen, eine Beziehung aufzubauen über ein Leben. Die verwechseln eine Ehe mit einem Abenteuer. Wenn das irgendwie enttäuschend ist, dann wird geschieden und dann kommt die Nächste. Aber ich sage immer: Bei der ersten großen Krise, beim ersten Seitensprung, fängt eine Beziehung überhaupt erst an. Das ist meine Erfahrung mit der Liebe, mit der Ehe und mit dem Zusammenleben mit einem Partner. Ich glaube, dann kann man später sagen, man hat sich jemanden wirklich erobert. Die Liebe ist eine lange Geschichte, keine Kurzgeschichte."

Als Schauspieler träumt Adorf, der schon so viele große Rollen gespielt hat, noch von einer Figur. "Es gibt noch den Traum, Karl Marx zu spielen, was sicher ein Wunschtraum bleiben wird", sagt er. Privat möchte er vor allem gesund bleiben - und irgendwann "einen milden, gnädigen Tod sterben", wie er sagt.

Doch im Moment steht die Arbeit im Vordergrund. "Ich bin immer noch mitten im Leben", sagt Adorf, der sich freut, für "Das Krokodil" mit Michael Mendl (68) zu drehen, der im Film seinen Freund spielt. "Das ist eines der Dinge, die ich vermisst habe im Leben, auch durch eigene Schuld. Ich habe zu spät erfahren, dass man Freundschaften pflegen muss."