Monika Kruse

Ziemlich gut aufgelegt

Die Berliner DJane Monika Kruse gehört seit 20 Jahren zu den besten ihres Fachs

Sie ist aufgefallen. Wenn sie mit ihren dichten Locken in den frühen 90er-Jahren hinter den Plattentellern stand, dann schaute das Publikum auf sie. Wegen ihrer Musik - und weil sie eine der ersten DJanes überhaupt war. "Am Anfang war ich als Frau sicherlich ein Exot. Mir wurde nicht zugetraut, dass ich mixen kann, und ich musste mich schon beweisen", erinnert sich Monika Kruse. Vielleicht verzichtete die Berlinerin deshalb zu Beginn ihrer Karriere vor über 20 Jahren auf einen klangvollen Künstlernamen wie WestBam oder Marusha, auf die große Show und Autogrammkarten.

Sie wollte sich lieber auf das Wesentliche konzentrieren - ihre Melodien, Klänge, Beats. Das genügte. Heute zählt sie zu den anerkanntesten DJs, Menschen weltweit bewegen und verrenken sich nach ihrem Takt. Am Freitag erschien mit "Traces" das vierte Album der 40-Jährigen, die seit vielen Jahren ihr eigenes Label in Kreuzberg führt. Bis zum Jahresende wird sie damit über die Kontinente touren, Nacht für Nacht Höchstleistungen am Mischpult abliefern müssen. Geregelte Arbeitszeiten sehen anders aus. Klar, sagt sie, manchmal schmerze es, wenn man von Freunden hört, die ihre Freizeit entspannt auf Usedom verbringen. "Ich lebe in einer Parallelwelt. Dazu gehören auch Schlafstörungen", sagt sie. "Mein Körper durchlebt jedes Wochenende eine Art Jetlag." Andererseits habe sie die Faszination an ihrem Job nie verloren. Ohne die ginge es gar nicht. "Kein Abend ist wie der Nächste. Nachts öffnen sich die Seelen. Da ist man näher bei den Menschen."

Doch möchte Monika Kruse ihren Beruf keinesfalls überhöhen. Es gebe sicherlich einiges, was wichtiger sei. "Teilweise ist mir der Hype um DJs zu groß. Ich brauche die Prominenz zumindest nicht." Allerdings - manchmal setzt sie diese auch gezielt ein. Für ihre Initiative "No Historical Backspin" etwa, die sie 2000 gründete. Damals schreckte sie eine Brandserie in Asylbewerberheimen auf. Sie beschloss, gemeinsam mit Kollegen Feiern zu veranstalten, um mit den Erlösen die Opfer zu unterstützen. Monika Kruse ist weit entfernt davon, das Klischee einer Frau zu bedienen, die sich mit Party ihr Geld verdient. In einem Alter, in dem sich andere mit ihrem Nachwuchs im Grünen niederlassen. Früher habe sie mit 36 Jahren aufhören wollen. "Jetzt setze ich mir selbst keine Frist mehr. Die Frage, ob ich nicht zu alt sei, kann ich nicht mehr hören." Verständlich, ist es doch die ungebrochene Nachfrage, die ihr Recht gibt.

Ihre Lust am privaten Feiern hat Monika Kruse übrigens nie verloren. "Ich bin gern Gast im Club", sagt sie. Im Berghain oder im Weekend tanzt sie in freien Nächten - und lässt dann andere für sich arbeiten.