Party

Party in der Panikzentrale

Im Hamburger Hotel "Atlantic" feiert Udo Lindenberg mit 400 Gästen den vierfachen Platin-Status seines "Unplugged"-Albums

Ein Mann der vielen Worte ist er nie gewesen. Doch dieser Abend machte ihn nahezu sprachlos. Für mehrere Sekunden bestaunte Udo Lindenberg, fast andächtig schweigend, jene Auszeichnungen, die auf ihn in einem festlich geschmückten Raum des Hamburger Nobelhotels "Atlantic" warteten. Es war ein Anblick, der selbst für ein Urgestein der Musikgeschichte keinesfalls gewöhnlich ist. Vierfach Platin - für mehr als eine Million verkaufte Tonträger und DVDs seines Albums "MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic". Fast genau ein Jahr ist es her, dass er mit diesem Werk musikalisch sein Comeback schaffte. Indem er alte Lieder neu arrangierte, mit alten und neuen Freunden wie Jan Delay, Clueso, Helge Schneider und Stefan Raab.

Nun also, am gestrigen Dienstag, sollte der Panikrocker dafür belohnt werden. "Ich bin glücklich wie ein kleines Kind", nuschelte der 66-Jährige, wie gewohnt mit Schlapphut und Sonnenbrille gekleidet, der Atem von Zigarrenrauch geprägt. "Wenn ich wach werde, dann kneif ich mich als allererstes, um sicherzugehen, dass ich nicht träume." Man verzeiht ihm diese Plattitüde. Zum einen, weil er Udo Lindenberg ist und weil so gut wie alles, was er derzeit anpackt, Kultstatus erreicht. Vor allem aber, weil man ihm den Satz glaubt. Denn in seiner 40-jährigen Karriere blieben ihm Tiefen nicht erspart. Alkoholexzesse, ausufernde Partys - Ende der 90er-Jahre fand sich Udo Lindenberg kaum noch als Musiker in den Schlagzeilen. Dann jedoch die unerwartete Renaissance. Der Panikrocker ließ den "Sonderzug nach Pankow" hinter sich, entwickelte sich weiter - bis hin zu jenem singenden, malenden und schreibenden Gesamtkunstwerk, das auf seiner kürzlich beendeten Deutschlandtour bejubelt wurde. Von seinen ebenfalls in die Jahre gekommenen Fans wie von ihren Kindern.

Gefeiert wurde das alles standesgemäß - in seiner Panikzentrale, dem Hotel "Atlantic", für viele Jahre sein Zuhause - gemeinsam mit mehr als 400 Gästen und seinen engsten Vertrauten. Leibwächter und "Schattenmann" Eddy Kante etwa, Lebensgefährtin Tine Acke, "Frida Gold"-Sängerin Alina Süggeler oder Duettpartner Max Herre, der seinem großen musikalischen Vorbild zur späteren Stunde ein Ständchen singen wollte.

Auch der aus Erfurt stammende Musiker Clueso, mit seinen 32 Jahren jüngstes Mitglied im Lindenberg-Clan, durfte sich freuen. Für die Single "Cello" bekam er zusammen mit seinem Vorbild aus Kindheitstagen den Gold-Status verliehen.

Ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Panikpräsidenten - und dessen Fortsetzung folgt bestimmt. Denn: "Das Leben soll sich nach meinen Träumen richten und nicht umgekehrt", sagt Udo Lindenberg zu seinem Motto. Bisher hat sich sein Leben dem nahezu anstandslos angepasst.