Stefanie Stappenbeck

Das Herz auf der Zunge

Die gebürtige Potsdamerin Stefanie Stappenbeck liebt das Spiel. Im Film, auf der Theaterbühne - und jenseits davon

Unaufgefordert. Die attraktive gebürtige Potsdamerin, die nun mit ihrem Ehemann in Prenzlauer Berg wohnt, ist voll von Energie und Lebensfreude - und so kann man sich zurücklehnen und ihr die Gesprächsführung überlassen.

Das zentrale Thema der 39-Jährigen ist das Spielen - und zwar in jedem Sinne. "Ich bin die Abteilung Naturtalent und habe ganz früh angefangen", erzählt sie. Schon im Alter von 14 Jahren spielte sie im DDR-Film "Weihnachtsgans Auguste" die Hauptrolle. Die Glückssträhne riss nie ab, und so habe Schauspiel stets ihr Leben finanziert, berichtet sie heute, dankbar für diesen Umstand. Nur bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Ernst Busch verließ sie das Glück, doch das Handwerkszeug hat sie sich später einfach selbst beigebracht. Spielerisch natürlich. "Früher habe ich schnell geredet, berlinert, genuschelt und hatte einen S-Fehler." Diszipliniert trainierte sie sich Hochdeutsch und eine ordentliche Aussprache an. "Darauf bin ich wahnsinnig stolz, das ist nämlich fast das Einzige, was ich von Grund auf gelernt habe", gesteht Stefanie Stappenbeck. Auch beim Singen bewies sie Mut. Für die Rolle der Polly in der "Dreigroschenoper" musste sie bis zum hohen C kommen. "Ich dachte, das kann ich mir abschminken, ich klang schrecklich." Doch sie nimmt Unterricht, beißt sich durch und schafft die Premiere im Hamburger St.-Pauli-Theater fehlerfrei.

Spielen tut sie mit Hirn und Herz. "Ich bin sehr gewissenhaft und denke beim Dreh stets mit." Eine Eigenschaft, die sie unter anderem mit ihrer Kollegin Muriel Baumeister, mit der sie für den Fernsehfilm "Ein Sommer in den Bergen" (Pfingstsonntag um 20.15 Uhr im ZDF) vor der Kamera stand, gemeinsam hat. "Die hat auch immer 'Anschlussfehler' gerufen", erinnert sie sich schmunzelnd an die Dreharbeiten. Das Verwandeln und In-andere-Rollen-Schlüpfen liebt sie sehr. "In meinem Beruf kann man viel ausprobieren", schwärmt sie. Ob als knallharte Anwältin im Rollstuhl oder als Kassiererin, doch manchmal bleibt die Rolle an einem kleben. "Dann benimmt man sich auf dem Set wie ein Egomane oder eine chaotische Schlampe", erzählt sie und lacht wieder.

Manchmal muss sie auch gegen ihr junges Gesicht anspielen. "In meinen Zwanzigern hatte ich dramatische Rollen, doch irgendwann wollte ich keine vergewaltigte Schülerin mehr spielen", gesteht sie. Auch auf dem Set war ihr Aussehen nicht immer hilfreich. "Ich wurde oft unterschätzt und nicht ernst genommen, das war doof", sagt sie. Inzwischen hat sie das Problem nicht mehr. Der ZDF-Dreiteiler "Die Wölfe" wurde mit dem US-Preis Emmy ausgezeichnet, auch für eine Rolle in Margarethe von Trottas "Dunkle Tage" bekam sie eine Auszeichnung und für "Polizeiruf 110" viel Lob, leider wurde ihr Einsatz nach dem plötzlichen Tod ihres Kollegen Jörg Hube nicht fortgesetzt.

Auch in ihrer Freizeit ist Spielen ein wichtiges Thema. "Ich habe mir gerade eine Go-App für das Handy runtergeladen, ich möchte meinem Vater ein würdiger Gegner sein", verrät sie. Scrabble, Skat, Backgammon und Solitär werden ebenfalls auf dem mobilen Telefon gespielt. "Gern auch mit anderen, im Notfall auf Reisen aber auch allein", sagt sie lachend. Dass Stefanie Stappenbeck sich zu unterhalten weiß, glaubt man sofort. Dafür hat sie selbst in diesem Gespräch genügend Beweise erbracht.