Ralph Herforth

"Ein Hund ist keine Gucci-Tasche"

Der Schauspieler Ralph Herforth ist der neue "Botschafter des Hundes - und fordert eine gute Erziehung

"Ich habe mich in ihre Augen verliebt - wie bei einem Pharao mit Kajal gezogen", sagt Ralph Herforth. Der Schauspieler spricht nicht von seiner Ehefrau, der Drehbuchautorin Zora Holt, sondern von seinem Beagle Molly. Mit der sechsjährigen Hundedame seines Herzens ist er zum Gespräch erschienen, entspannt liegt sie unter dem Tisch.

"Ich dachte, ein Hund lässt sich nur schwer mit dem unsteten Schauspielerleben vereinbaren", sagt der 52-Jährige. Als Zora Holt jedoch den Pitbull Lilly in die Beziehung mitbrachte, war es um Herforth geschehen. "Sie war ein muskelbepacktes Baby", erinnert er sich lachend. Als Lilly an Darmkrebs starb, habe er drei Tage lang geweint. Danach hätten sie keinen neuen Hund mehr gewollt. Dieser Zustand hielt eine Woche an, dann fuhren beide zum Tierheim Berlin. Bei Molly war es Liebe auf den ersten Blick - aber anfangs keine leichte Beziehung. "Sie wurde zuvor nur in der Wohnung gehalten, kannte keine Natur. Als sie zum ersten Mal auf einer Wiese war, ist sie vor Glück rumgerannt wie ein Berserker", sagt Herforth. Die Hundedame habe auch kein 'Oben' gekannt, beim Stöckchenwerfen nie rauf geschaut, außerdem sei sie nicht stubenrein gewesen und hätte - allein zuhause gelassen - wohl vieles zerfetzt. "Ich denke, das hatte mit der Vorbesitzerin zu tun", sagt Herforth. Dabei seien Hunde doch "keine Accessoires, keine Gucci-Tasche". "Diese Leute haben gar keine Ahnung, was sie sich da für eine Rasse anschaffen. Ein Beagle ist ein Treiber, der braucht viel Bewegung." Auslauf gibt es nun zur Genüge.

Mit seiner Frau und dem kleinen Sohn Levin wohnt Herforth im Naturpark Fläming. "Heute morgen ist Molly Wildschweine hinterhergejagt", erzählt er. Aber keine Sorge, die würden ihr gutmütiges Wesen kennen - genauso wie die Damhirsche und Füchse. Herforths Ehefrau kümmerte sich um Mollys Erziehung, machte sie stubenrein, brachte ihr "Platz" und "Sitz" bei. Inzwischen sei Molly, die er auch "Frau Moll" oder "Smo" nennt, so gut erzogen, dass sie nicht mal eine Leine bräuchte. "Gute Erziehung bedeutet Freiheit für den Hund. Er kann ohne Leine leben und wird nicht totgefahren." Doch nicht immer ist alles perfekt. "Manchmal habe ich eine Mordswut, dann drohe ich ihr mit Verwurstung", gesteht er augenzwinkernd. Denn Molly sei ein gefräßiges Tier. Sobald das Bircher Müsli von Herforth am Tisch steht, ist sie auf den Beinen und schaut ihn mit großen Augen treuherzig an. Wenn sie Grillabfälle gefunden habe, käme sie mit dickem Bauch nach Hause und übergebe sich die ganze Nacht über. Manchmal büchse Molly auch aus. "Dann schläft sie in den Betten der Nachbarn, doch die finden das zum Glück gut."

Ein Leben ohne den Hund kann sich Herforth trotzdem nicht vorstellen. "Sie ist immer dabei", selbst beim Shooting für ein Unterwäschelabel. Am heutigen Mittwoch soll Herforth zum "Botschafter des Hundes 2012" ernannt werden - nach dem Schauspieler Erol Sander und der Moderatorin Nina Ruge. Die Schirmherrschaft des Verbands für das deutsche Hundewesen (VDH) übernimmt er aus einem Grund: "Ich will Hundebesitzern klar machen, dass sie die Häufchen auch wegmachen müssen."