Jimi Blue

"Ich bin doch gut erzogen"

Jimi Blue ist Teil des recht ungewöhnlichen Ochsenknecht-Clans - und will als ernsthafter Schauspieler von sich reden machen

Als man kaum noch damit rechnet, betritt er das "Café Einstein" in Schöneberg, ein gediegenes Kaffeehaus mit knarrendem Parkett und holzvertäfelten Wänden. Nicht gerade die typische Adresse für Pop-Rapper und Jungschauspieler.

Er trägt eine seiner 200 Basecaps, guckt wach und freundlich und grüßt höflich. Jimi Blue, einer der Ochsenknecht-Kinder mit diesen seltsam schrillen Vornamen, ist gerade aus München nach Berlin gezogen und erst einmal bei seiner Mutter Natascha (47) untergekommen, die ganz in der Nähe mit ihrem Freund Umut (28) und Jimis Schwester Cheyenne Savannah (12) wohnt. Es ist keine zwei Tage her, da hat Jimis Mutter bekannt gegeben, sie habe sich mit ihrem Lebensgefährten verlobt, ganz romantisch auf einem McDonald's-Parkplatz. Außerdem hat sie dieses Buch geschrieben - "Augen zu und durch" - über das Leben an der Seite von Ehemann Uwe, von dem sie sich 2009 getrennt hat. Aber Jimi hat das Buch nicht gelesen, Lesen sei generell nicht sein Ding, sagt er, und dass seine Mutter eine erwachsene Frau sei und wisse, was sie schreibe.

"Ich vertrau' ihr da", sagt er, aufrichtig und ungerührt. Auch wenn sie schlecht über seinen Vater schreibt? "Aber Streit gibt es in jeder Familie." In dieser Familie gibt es noch den - angeblich - verstoßenen Halbbruder Rocco, über den man reden könnte, der in der letzten Staffel des Dschungelcamps zu sehen war und der von der Familie wie eine Persona non grata behandelt zu werden scheint. Jimi Blue grinst, wenn er sagen darf, dass er dazu nun nichts sagen werde, ein Medienprofi. Und natürlich ist da noch sein Auftritt in der ZDF-Reihe "Der Kriminalist", in der Jimi Blue am heutigen Freitag (20.15 Uhr) in einer Nebenrolle zu sehen sein wird.

Jimi Blue Ochsenknecht, der durch fünf Filme der Reihe "Die Wilden Kerle" schon mit zwölf Jahren zum Mädchenschwarm wurde, ist im Geschäft, seit er ein kleiner Junge ist. Auf Schule hat er nie Lust gehabt, nur weil die Eltern ihn drängten, hat er die neunte Klasse abgeschlossen. Eigentlich, sagt er, sei er nicht mehr aufgeregt, wenn er vor der Kamera stehe, oder doch, nervös sei er schon, aber nicht nach außen, nur innerlich eben. Bevor es dann ernst wird, hat er das Drehbuch dreimal gelesen, ist im Kopf durchgegangen, wie er was spielen wird. Und wenn es zu schwierig wird, hilft ihm das Coaching. Zum Beispiel, wenn er weinen muss. "Weinen ist schwer", sagt Jimi, der das Gefühl kennt, wenn Leute schlecht über einen reden. Die glauben, er sei nur wer, weil sein Vater berühmt sei. Ein Schauspieler zumal, der in Meilensteinen deutscher Filmgeschichte mitgewirkt hat. Jimi Blue sagt, er liebe "Männer". Und "Das Boot" - der erste Film mit seinem Vater, den er überhaupt gesehen hat, damals an einem Wochentag, als er so rumzappte, "da hab ich erstmals realisiert, wie bekannt er ist." Jimi sagt: "Es gibt Leute, die sagen, ich bin ein Arschloch, obwohl sie mich gar nicht kennen. Aber das macht mir nichts".

Für die Reihe "Halt die Fresse" des berüchtigten HipHop-Labels Aggro Berlin hat Jimi kürzlich ein protziges Video aufgenommen. Er rappt nicht unklug: "Sie sagen, ich wäre ohne meinen Vater nicht da. Doch auch Du wärst ohne Deinen Vater nicht da." Er fuchtelt mit einer Flasche Champagner herum, während im Hintergrund halbnackte Mädchen an Stangen herumturnen. Dann singt er, dass er ein Star sei seit den "Wilden Kerlen" und daher "chille" mit allerhand "Perlen", genretypische Selbstbeschreibungen eben.

Jimi Blue Ochsenknecht hat sich von klein an ans Berühmtsein gewöhnen können. Seine Eltern hatten die Kinder schon früh darauf vorbereitet, dass "wir angestarrt werden". Aber eigentlich hat das Berühmtsein vor allem Vorteile. "Die meisten Leute sind einfach nett", sagt er. "Man muss vor Clubs nicht anstehen und kann einfach durchgehen." Und wenn er nicht erkannt wird, dann eben: Hey! Ich bin Jimi Blue Ochsenknecht, lassen Sie mich rein? "Nee!", sagt er. "Ich bin doch gut erzogen."