Armin Rohde

Der Frauenflüsterer

Armin Rohde verführt als Heiratsschwindler reihenweise reiche Damen. Ein Gespräch über Liebe, Eifersucht und "ehrliches Lügen"

Die erste Begegnung mit ihm kann einschüchternd sein. Weil er bei allem, was er tut, ziemlich präsent ist. Wenn Armin Rohde einen Raum betritt, dann füllt er ihn aus. Mit seiner kräftigen Stimme, mit der Wucht, die hinter all seinen Bewegungen steckt. So ist es auch an diesem Tag in Berlin. Leicht gehetzt wirkt der 57-Jährige, als er zum Interview für seinen ZDF-Film "Der Heiratsschwindler und seine Frau" (am 7. Mai, 20.15 Uhr) Platz nimmt. Die Lederjacke wird in die Ecke geworfen, die Sonnenbrille bleibt auf. Star-Allüren? Nein, entschuldigt er sich, vermutlich eine Bindehautentzündung.

Also kein Augenkontakt - dafür eine perfekte Überleitung zu seiner Filmfigur. Schließlich lässt diese ebenfalls nur wenige Menschen hinter die Fassade blicken. Rohde verkörpert einen professionellen Heiratsschwindler, der seine Eroberungen der kompetenten Beratung durch seine Frau verdankt. Bis die ihn verlässt. "Privat bin ich ein miserabler Lügner", sagt er. Und das, obwohl ihn sein Beruf dazu fast verpflichtet. "Aber das bezeichne ich als ehrliches Lügen." Diese Kunst beherrscht er offenbar, schließlich kann er sich über mangelnde Beschäftigung kaum beklagen. Erst 1992 wurde die Filmwelt auf den Sohn eines Bergmanns und einer Fabrikarbeiterin aufmerksam. In "Kleine Haie" von Sönke Wortmann manifestierte er als Sportwagenfahrer "Bierchen" sein Image als liebenswerter Prolet. Ein passendes Bild, sicherlich - und eines, das längst nicht mehr ausreicht, hat er doch in Filmen wie "Rossini", "Sams" oder in der Krimireihe "Nachtschicht" seine Wandelbarkeit unter Beweis gestellt. Nun also spielt der verheiratete Bochumer einen Liebesschwüre heuchelnden Heiratsschwindler, der betuchte Damen um den Finger wickelt. Charmant, ja, das könne er sein, bestätigt er, hebt kurz die Sonnenbrille an. "Ich denke, dass man besser im Leben klarkommt, wenn man charmant zu seinen Mitmenschen ist. Zumindest fühlt sich meine Seele kräftig und gesund."

Die rohdesche Freundlichkeit kennt dabei ihre Grenzen. "Dummheit, gepaart mit großer Schnauze, da kann ich ungemütlich werden", sagt Armin Rohde. Oder dann, wenn ihm manche Menschen näherkommen, als sie sollten. "Wenn mich jemand anfasst oder mich bedrängt - da kann ich schon meinen bestimmten Blick aufsetzen." Wieder wird die Sonnenbrille für einige Sekunden abgenommen. Zum Beweis. Überhaupt, das Temperament. Das sei manchmal einfach mit ihm durchgegangen. "Früher war ich sehr eifersüchtig, das habe ich mir mittlerweile abtrainiert. Da habe ich ganze Wände durchgeschlagen - und das meist grundlos."

Mittlerweile habe er das nötige Selbstvertrauen, um das Mobiliar ganz zu lassen. Denn: "Eifersucht hängt sicher mit Unsicherheit zusammen. Außerdem finde ich: Liebe hat nichts mit Handschellen zu tun." Eine Einstellung, die vermutlich nicht nur seinem fortschreitenden Alter, sondern vor allem seiner Frau Angela geschuldet ist. Über sie und sein Privatleben schweigt sich der sonst so wortgewaltige Schauspieler allerdings aus, lässt lieber sein vergangenes Liebesleben Revue passieren. Er sei oft verlassen worden, erzählt der Schauspieler freimütig. "Ich bin allerdings auch ein etwas anstrengender Mensch." Zudem ist da der Beruf gewesen, der meist über allen Dingen stand. "Dafür, dass ich trinkend unter der Brücke lande, bin ich jedoch zu robust gebaut", sagt Armin Rohde, lacht kurz und heftig. Glücklicherweise.