Hinnerk Schönemann

Der Polizist fährt lieber Trecker

Schauspieler Hinnerk Schönemann über sein Zappelphilipp-Syndrom und das Hofleben

Er spielt in "Das Leben der Anderen", wird von Steven Spielberg für "Die Gefährten" besetzt. Polizisten, wie in "Marie Brand" oder Detektive, wie in dem Dorfkrimi "Tod einer Brieftaube", der am Montag um 20.15 Uhr in der ARD läuft, mimt er oft. Privat hingegen spielt Hinnerk Schönemann eine ganz andere Rolle. Seit 15 Jahren wohnt er zurückgezogen in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern. Wer ihn anruft, wird direkt ins Landleben befördert. "Ich sitze auf dem Trecker", schreit der 37-Jährige in sein Handy, um den Termin zum Interview zu bestätigen.

Bei diesem erzählt er, wie sehr ihm das Leben in der Natur gefällt. "Ich habe vorher in der Stadt gelebt, mich aber nie wohl gefühlt. Hier ist Heimat für mich", sagt Hinnerk Schönemann. Der Schauspieler ist in Berlin-Friedrichshain aufgewachsen, als Teenager aber mit seinen Eltern nach Hamburg gezogen. Nun scheint er auf dem Hof, den er sich gekauft hat, angekommen zu sein. Begeistert erzählt Schönemann von den fünf Pferden, dem Esel und den Gänsen, um die er sich kümmert. "Es ist schön, so eine Verantwortung zu haben", sagt er und lächelt. "Aber ich kaufe keine Tiere, sie werden mir angeboten." Und bevor sie zum Schlachter kommen, entscheide er sich lieber, ihnen ihr Gnadenbrot zu geben.

Als Kind, erzählt Schönemann, sei er ein Zappelphilipp gewesen, habe kaum still sitzen können. Seine Eltern probierten Tees, Kräuter und sogar das Beruhigungsmittel Ritalin aus. "Inzwischen habe ich gelernt, die Energie zu kanalisieren", sagt Hinnerk Schönemann. Dabei sitzt er ruhig in seinem Stuhl im Restaurant "Sale e Tabacchi" in Kreuzberg und nippt an seinem Cappuccino. "Aber länger als eine halbe Stunde ruhig sitzen, das kann ich schlecht", gibt er dann doch zu. Schauspiel sei das erste Ventil für seine überbordende Energie gewesen, das er entdeckt habe, sagt er. "Da kann man sich viel bewegen, muss nicht am Schreibtisch sitzen."

Hinnerk Schönemann ist kein Mann vieler Worte. Small Talk ist nicht sein Ding. "Da bekomme ich Beklemmungen", sagt er. Seine Sätze sind kurz, präzise, er sagt nicht mehr als notwendig. Premierenfeiern meide er so gut es geht, selbst auf ein Bier mit Kollegen gehe er nicht. "Ich spüre dann einen enormen Druck in mir, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll", sagt Hinnerk Schönemann. Wohl fühle er sich eher mit Tieren und Autos, sagt er. Gerade habe er sich einen alten DDR-Bauwagen gekauft, an dem er rumschraube. "Ich hätte auch Automechaniker werden können", sagt Hinnerk Schönemann und fängt langsam an, mit seinen Ärmeln zu spielen, die Hände darin zu verstecken, sie rauf und runter zu ziehen. Die 30 Minuten des Interviews sind fast um.

Sein zweites Ventil habe er mit seinem Hof gefunden, erzählt er noch. "Da ist immer was zu tun." Um sieben Uhr morgens habe er bereits alles erledigt. Seine Frau, die Schauspielagentin Anne Sarah Schönemann, hat er in das Idyll mit nur 50 Nachbarn mitgenommen. "Sie sitzt am Schreibtisch und ich rase über den Hof", sagt er und lacht. Kinder hat das Paar keine. "Noch keine", wie er ganz bewusst sagt. Wer weiß, vielleicht wird das dann sein drittes Ventil.